szr Wochenblatt-
Haben. Hatte ich nicht, wenn das Urtheil der ersten Art richtig wäre, ganz gegen meine Gesinnungen gehandelt, wenn ich ein solches Stück übersezt hatte ? Auf der andern Seite fürchte ich das Schicksal meines Autors, dessen Asche, wüste man seine Urne zu finden, ausgegraben, und ins Meer gestreut werden würde; so viel weiß ich wenigstens schon aus sicheren Nachrichten, daß ihm der Kirchenbann in den Orkus soll nachgeschickt werden. Unglücklicher Theophrast! meine Schuld ist es. Hatteich dich nicht über- sezt, so wärest du von Aeonen zu AeonenZ in den Buckläden verborgen geblieben, keine dorfpriesterliche Hand würde dich jemals hervorgezogen haben, dein vermeintes Gift wäre nie entdeckt, dein Name nie geschändet worden. Ausserdem ist ein gewisser syinparhetischer Nexus zwischen mir und meinem Autor, wovon weder in Wielands Sympathien , noch in den Lehrbüchern der Moral etwas zu finden ist, der sich nickt beschreiben t nur fühlen last. Alle diese Umstande zusammen genommen wirkten so mächtig auf mein Gehirn, daß ich nicht ermüdete, ein Duzend Com mentare und eine alte deutsche Übersetzung bey der nächtlichen Lampe nachzulesen , nur um Materie zu sammlen, wie ich meinen Autor erklären und rechfertigen könnte; denn mehr läst sich doch nicht von dem fleisigsten Uebersezer fordern, als alles zusammenzutragen, so viel er nur kann. Ich habe es treulich verrichtet, und lege meinen Lesern das Resultat meiner Bemühungen vor Augen. Vorher muß ich noch die angezeigte Uebersetzung ansühren. Sie ist unter folgendem Titel erschienen:
das ist/ Thcophrafli , des Griechischen Philofophi und Schülers des weltberühmten Ariftotelis , Sittenspiegel/ aufs neue mit vielem Fielst glänzend gemacht, seinen Landsleuten zu Lieb / zur Beschauung ihrer felbfi dargestellt von Johanne Manhia Veit/ Metropolitan und Pastor an St. Blasti Lirche/ zu Edram an der Pleisse. Nürnberg bey Cunrad Pilzen i $99.
In der Vorrede drückt sich der theure Mann also aus: „ ich habe dieses ,, Büchlein meiner Gemeinde zu Lieb verdolmetscht, weilen hierin aller u Wandel des Menschen gar säuberlich abgebildet und contrefeyt ist; em ,, jeder halte diesen Herzensspiegel sich täglich vor, und beschaue sich in et demselben, damit er wissen und erfahren möge, was zu thun und zu lassen


