<4® Wochenblatt.
ich gedachte, daß ich so lange lebte. Unterrichten Sie mich, mein Herr, bin ich in meinen Gewissen verbunden zu sterben, und in meinem acht und sechzigsten Jahr diese liebe Welt, und alle meine Spielgeseüinnen Tu verlassen, und zwar um meines Bubens willen, der nun mehrentheils fünfzig Jahr; oder kann ich m,t Recht verlangen, noch zwanzig Jahr länger Odem zu lchopfen? Dero Gurachten über diese Sache wird als eine Gewogenheit ansehen, eine von Ihren ergebensten Dienerinnen.
Arabella.
Diese gute Dame scheint mit ihren Unglück Scherz zu treiben. Meines rst warhaftig ein Uebel das wohl verdient auf eine ernsthafte Art betrachtet zu werden
Ein Kind wird durch die Zärtlichkeit und Sorge, die eine Mutter oder ein Baker in den Jahren der Kmdheit für dasselbe trägt, da es noch unvermögend ist sich selbst zu helfen, oder zu erhalten, aufdaö höchste verbunden: ES wird dadurch verpflichtet seinen Eltern, so lange eü lebt, aufrichtige Ergebenheit, Ehrerbietung und Liebe zu erzeigen. Wolre man auch die genaue Verknüpfung der Narur und des Geblüts nicht in Betrachtung ziehen; so würde doch Die gemeine Dankbarkeit dieses erfodern. Wem ist die ewige Wahrheit unbekannt: Erkenntlichkeit und Wohlthaten, je mehr die Absichten des WohlthäterS auf unsere Glückseeligkeit abzielen, desto größer muß unsere Erkenntlichkeit werden ? Welche Wohlthae aber kann größer fein, als diese, wenn man uns beisteht, da wir von allen verlassen, und ohne diesen Beistand unvermeidlich umkommen müssen? Wessen Absichten können deutlicher auf unser Bestes gerichtet fein, als derjenigen, die durch soviel wiederholte Merkmale der Liebe, durch ihre Zärtlichkeit,durch ihre Sorgen, durch ihre Furcht und Hoffnung, kurz durch ihre beständige Sorgfalt und Bekümmerniß für unsere Glückseligkeit bezeugen , daß sie unser Wohl als ihr eignes ansehen, unser Wohl als ein solches betrachten, das wesentlich mit dem ihrigen verknüpfet ist ? Man feite glauben, daß diese Betrachtungen allein schon Stärke genug hätten , die kindliche Liebe zu erwecken: Man solte denken es fei unmöglich Menschen zu finden, die so verderbt, die so sehr alle Vernunft, alle Empfindung der Dankbarkeit verlohren, daß sie einer solchen Verbindlichkeit vergessen, und diejenigen, denen sie solche schuldig, verachten, oder beleidigen könnten. Allein das Verderben unserer Zeiten ist so groß, daß ich besorge der Zustand der guten Frau Arabellen sei nur gar zu gemein. O daß ich es nicht mit
Marheit


