Ausgabe 
1.2.1774
 
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wschenblätk.

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die harmonisch mit ihren Leidenschaften klang, und aus diesem Ton fieng man an zu spielen. Tavora und Aveiro hielten nun häufig Conftrenzen in einem gewissen Gasthof von Lissabon, und endlich war der Tag bestimmt, wo der König lolte ermordet werden. Der Tag komt, der fürchterliche Abend nahet heran, wo der König von einem einzigen Cavalier begleitet nach Belem, einem königlichen Lustschloffe, fahren solte. Schon war die Straße von den Conspiranten bssezt, die Mordbande in drey Haufen po- sirrt, und schon war das Gewehr zum tödten gerichtet, schon bebte der Boden von der königlichen Kutsche, und der Mörderherze von Angst und Mordsuchtshitze. Nun komt der König in zufriednen Gedanken, falt in den ersten Haufen der Meuchelmörder, die, wider ihren Befehl, gleich auf den König Feuer gaben, aber die Vorsehung die alles lenkt, lenkt den Schuß zu einer Wunde in die Schulter. Ein Glücke wars , daß er sei­nen Leibarzt auf sein Landguth beurlaubt hatte, das dem Kömg auf der Seite läge, denn so wendete er die Kutsche, von der, noch weiter hinauf vostirten Bande, und von dem gewissen Tod zurück. Der verwundete Kö­nig eilte mit verstärktem Lauf auf das Landguth seines Chirurgen, und mit ihm die Meuchelmörder nach ihrer Miethstube mit halb gemuthmaster Versicherung, der König sey geblieben. Der von Aveiro beklagte sich, daß sie, seine Bediente zu viel Hitze bezeigt hatten, sie hatten den König , wie befohlen war, sollen bis zum Mittlern Haufen haben hervorjagen lassen, und so auch in den gewissen Tod, da man nun ängstlich muthmaßen müs­se, ob er getödet seye- Inzwischen war die Stadt mit dieser schwarze» Geschickte angefült, der König der Gefahr entrissen , und die Conspiran- tenin allem Verdacht. Aber da sie aufs neue colchmrten, und aufs neue Zusammenkünfte hielten, so geschahs daß an einem Abend d,e Wirthin deS Gasthofs, worinnen die Conspirantengesellschaft zusammen kam, emen Be­such von ihrem Bruder bekam, und ihm alle Zimmer des Hauses, auch der Conspiranten Stube zeigte. Bcyde stunden mitten im Zimmer, a!S sie den Herzog von Aveiro ankommen höreten , worüber sie erschrocken» Die Wirthin verbarg ihren Bruder hinter die Tapeten in ein enges Ca- binetgen wo er sich nicht regte, sonst würde er den Tod bey der Entdeckung nicht vermieden haben. Die Wirthin entfernte sich. Von Aveiro kratt m Vie Stube, und nach ihm die Mordgehülfen. Man sprach von neuen Un­ternehmungen den König zu ermorden , man schalt auf die Unbedachtsam­keit derjenigen, die den König verfehlt, und zu früh gefeuert hatten , die abtt versprachen ihm Fehler zu verbessern, bey neuen Unternehmungen»