Wochenblatt ' 277
Weil sich die Menschen auch dadurch nicht wollten bessern lassen, so beschloß er endlich, das ganze menschliche Geschlecht zu verderben, und nur allein den Deucalion und die Pyrrha übrig zu lassen. Vorher aber befahl er den Schicksalen, die Glückseligkeiten, welche er unter Die Menschen verteilet hatte, wieder zusammen zu sammeln, und so lange aufzuheden, bis die Welt einmal von tugendhaftem und würdigem Menschen würde bewohnet werden.
Die drey Schwestern machten sich also aus den Weg, die verschwendeten Glückseligkeiten zu suchen; alleine, sie fanden gar bald, daß das ihnen aufgetragene Amt schwerer sey, als sie sich eingebildet hatten. Die ersten Orte, wohin sie sich wandten, und wo sie die meisten Glückseligkeiten zu finden Hoffeten, waren die Städte, Paläste und Hofe. Allein, anstatt das Gesuchte zu finden , trafen sie hier nichts als Murren, sauere Gesichter, Unzufriedenheit, und tausend ähnliche Herrlichkeiten auS der Tonne zur Linken an. Dagegen fanden sie, zu ihrer großen Verwunderung, die Zufriedenheit, Liebe, Gesundheit, Unschuld und andere Gluck, seligkeiten des Lebens, in den Hütten, Wäldern und Einsamkeiten.
Es kam noch ein Umstand dazu, der die zwey Jungfern in Aufsuchung der Wohlthaten Jupiters sehr verwirrt machte. Sie fanden nämlich, daßviele Glückseligkeiten zu Unglück, und manches Unglück zu Glück aeworden war, nachdem es von klugen oder thürichten Menschen war besessen worden. Sie fanden die Macht oft mit so vielem Stolze und so vieler Unruhe verknüpfet, daß sie denen , welchen sie anvertrauet war, zum Unglück gereichte. Die Jugend batte ost Krankheiten an sich, welche schlimmer als die Schwachheiten des Alters waren. Der Reichthum war nicht selten mit so vielem Geize vereiniget, daß er dadurch zur beschwerlichsten * Armuth wurde. Dagegen fanden sie oft Beschwerlichkeiten , welche durch die Tapferkeit rühmlich wurden, Armuth, die sich durch Zufriedenheit verlor, und Häßlichkeit, welche die Tugend schön machte.
Aber es zeigete sich noch ein dritter Umstand, der den drey Schwestern eben so viel Sorge machte, als der vorige. Sie fanden nämlich eine Menge von Glückseligkeiten und von Unglück, welche niemals in den beyden Tonnen gewesen waren, und doch nur gar zu oft Ursache wurden, daß die Menschen entweder glücklich oder elend waren. Das waren die
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