Wochenblatt. x,
dessen unsterblichen Gesprächen bekannt ist, die der eben so Weltweise als große Feldherr Xenophon dem Untergang entrissen und auf die Nachwelt gebracht hat.
Ihn dünkte es sehr einfältig, wann man sich bereden wollte, daß man die Wissenschaft das gemeine Wesen in die Aufnahme zu bringen und wohl zu regieren, welche doch das mühsamste Stück menschlicher Klugheit wäre, von sich selbst lernen könne, da es unstreitig wäre, daß man auch die gemeine Handwerkskünste nicht ohne einen Lehrmeister lernen könne; er hielte demnach die Erlernung der Staats-und Privatökonomie für eine der wichtigsten Anstalten in einem wohl eingerichteten gemeinen Wesen: gleichwohl scheinet es, daß weder Griechenland noch Rom einigen Bedacht darauf genommen habe; wenigstens klagte noch Columella unter den Römern, so sehr sie in Den ersten Zeiten den Landbau geschätzt hatten, und ungeachtet eö die wichtigste aller Handthierungen seye, daß er dannoch keine Schulen habe, wo hingegen es denen Mustcanten, Haar, frisirern, Köchen und dergleichen Leuten an keinen Lehrmeistern fehle.
Nach dem Untergang des römischen Reichs flohen die noch übrige Wissenschaften in die Klöster, in welchen sie meistens in eitel scholastische Grillen ausarteten. Äusser denselben herrschte bey dem Adel und gemeinen Mann die Dichteste Unwissenheit in gleichem und so hohem Grad , daß beyde unfähig waren, ihre eigene Namen zu zeichnen. Diese Unwissenheit dauerte noch lange hinnach, und besonders unter dem gemeinen Volk bis an den Anfang des vorigen Jahrhunderts.
Dann obwol nach dem Fall des griechischen Kaiserthums die Wissenschaften durch einige Griechen nach Italien hinüber gebracht wurden ; so erhielten doch die Schulen besonders in den entlegenen Staaten weder eine klügere noch nützlichere Einrichtung, und in vielen Landern dauerte die finstere Zeit Der Unwissenheit noch etliche Jahrhunderte hindurch; und ob sie wol auch da in der Folge etwas mehr aufgeklartt und überhaupt mehr Licht in die Wissenschaften gebracht wurde; so blieben sie gleichwol noch so mangelhaft, daß man es selbst in unfern Zeiten für wichtig erachtet, einen Preis aus die Beantwortung Der großen Frage zu setzen : Ob Die Wis- senschasten dem menschlichen Geschlecht mehr Nutzen als Schaden gebracht und denjenigen damit zu beehren, der das letztere zu beweisen über sich genommen hat. ’ 7
*5 1 , Obwol


