Ausgabe 
23.2.1773
 
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5l Wochenblatt.

Wie traurig sichet es hingegen nicht, wann in einem Land die Durs­tigkeit fast allgemein und gros ist und sich nicht nur in die Hütten der Ge­ringen sondern auch in die Hauser der Vornehmeren eingeschlichen hat, ge­setzt, daß diese auch noch die Kräfte Haden sie einigermaßen zu verbergen; wann zumalen weder große Faulheit noch Verschwendung oder große Kriegsdrangsalen daran schuld haben, sondern die bloße schlechte Einrich­tung des Staats, ohne daß dieses dem Regenten selbst bekannt ist.

Diese Einsicht fehlet in manchem Lande, wo der Regierung das Elend der Untertanen selbst zu Herzen gehet, und sie redlich genug wäre ihnen ihre bedrängte Umstände zu verbessern, ja dem ganzen Lande nach allen Kräften aufzuhelftn, wann sie nur die so höchstwichtige Wissenichast besäße, wie sie ein so großes und höchstrühmliches Werk unternehmen und ausführen solle. So wenig Ehre es unfern Zeiten (die man doch gemei­niglich für so ausgehellt ausgiebet) macht, so ist es doch leider wahr, daß eine der wichtigsten aller Wissenschaften und die eines der nöthigsten Stü, cke der Staatsklugheit ausmachet, gleichwol unter die unbekanntesten ge- zählet werden muß.

Diese noch wenig bekannte Wissenschaft bestehet in der Oekonomie, welche, in so ferne sie das Wohl eines ganzen Staats zur Absicht hat, Oeconomia publica, politica, oder Staatswirthschaft; in so ferne sie aber nur jedes einzelne Hauswesen angehet, die die Privatökonomie oder Haus-und Landwiffenschaft genannt wird.

Ein jeder Vernünftiger begreift leicht, daß, da beyde die Wohl­fahrt ganzer Länder und ihrer Einwohner zu ihrem wichtigen Endzweck ha­ben , sie billig unter die nothwendigsten Wissenschaften aller derer gerech­net werden müssen, die entweder einem großen oder kleinen Staat, oder auch nur ihrem eigenen Hauswesen wohl vorstehen wollen, und daß folg­lich fein Stand und keine Nahrungsart derselben entrathen kann: dahero in der öffentlichen Erziehung der Jugend mit dem Unterricht in der Religion sosehr, oder mehr, als irgend eine andere Wissenschaft verbunden wer­den sollten.

Dieser so wichtige Fehler bey Erziehung der Jugend ist schon sehr alt, aber auch schon in den ersten Zeiten von dem weisesten unter denen Welt- w eisen, dem Sokrate, bemerkt und geahndet worden ; wie solches aus dessen