Ausgabe 
22.6.1773
 
Einzelbild herunterladen

r§6 wschenbtadr»

ihn gelassen, und stark. Mitten in der Noch zu bekennen : ich bin des -Herrn Knecht (Magd), mir geschehe, wie der Herr beschlossen chat! Gott wirdS wohl machen

Großen Frieden der Seele schenkt die Andacht in den letzten Stunden.

Der vertrauteste Freund Gortes klagt und weinet fteylich als Mensch, wenn er seine Gattin, Kinder und Freunde um sein Sterbebette stehet, wenn er sie nun verlassen muß, und sich manche darunter befinden, die «och unerzogen und unversorgt sind; die großen Schmerzen, die sein elen­der kranker Körper fühlet, nöthigen ihn oft zu dem Seufzer; um Trost ist mir sehr bange! Aber er kennet Gott aus einem langen Umgänge. Er weiß, daß er getreu, gnädig und barmherzig ist, und seine Verheis­sungen erfüllet. Auf ihn vertraut er in seiner letzten Noch, und hoffet von seiner Barmherzigkeit, er werde sich seiner verwaiseten Familie annch- tnm; er werde ihn nicht über sein Vermögen, nicht zu lange leiden lassen.

Itzt wird er reichlich dafür belohnet, daß er sich ost mit Betrachtung der Trostgründe wider den Tod beschäftiget; daß er an den Tod und die Auferstehung Jesu, an unserer Leiber aus dem Grabe, und an die Freu­den des ewigen Lebens gedacht. Diese Betrachtungen werden itzt neu und lebendig in seiner Seele, sie machen ihn getrost: Er betet mit wahrer Ge- mükhsruhe und Zuversicht: Herr, mm lässest du deinen Diener in Frieden fahren! - Vater / in deine Hände befehle ich meinen Geist! - Christus ist mein Leben/und Sterben ist mein Gewinn!

Mer Gelegenheit gehabt hat, sowohl Verächter als Freunde der Andacht, im Unglück und auf dem Sterbebett zu sehen , der weiß auch, welch ein Unterschied in diesen Umstanden unter ihnen fey ; und wer sie nicht gehabt, darf nur Nachrichten) von dem Betragen ungläubiger und

*) Da gute Nachrichten dieser Art eine kräftige Nahrung der Andacht sind: so wäre es sehr zu wünschen, dass wir mehrere Sammlungen derselben hätten. Viele, Die' uns die letzten Stunden der Sterbenden beschrieben, haben es in einer Sprache gethan, die nur eine erhitzte Einbildungskraft, oder wohl gar die Schwärmerey führet; sie haben uns zu viele Reden und zu wenig Hand­lungen der Sterbenden erzählet; sie haben jene ohne kluge Wahl ausgezeich­net; die unbedeutenden von den lehrreichen nicht abgesondert, und die, wel­che mystisch sind, denen, worin vernünftige Erbauung liegt, vorgezogen.