Einzelbild herunterladen

*4 lwochenbUte- '

die Wektweisheit nichts anders als eine Sammlung von gewissen allge- meinen Grundsätzen, die ein jeder gesunder Menschenverstand sogleich ver­steht, für wahr erkennt, und deren Brauchbarkeit einsieht, und welche man in eine gewisse natürliche Ordnung, welche jedoch in vielen Stücken willkührlrch ist gebracht hat, um sie besser zu fassen, zu behalten, anzu- wenden, und mit einem Blick zu übersehen. Betrachtet man aber darge- gen die Philosophie, wie sie in den Händen verschiedner Schriftsteller um- gelchaffen worden ist, so sollte man sie vielmehr für eine Sammlung wi­tziger Einfälle ansehen, welche man über verschiedne wichtige Materien aus­gestreut hat, weil man nicht im Stand war, etwas wahres und gründli­ches darüber zu sagen, seine Unwissenheit verbergen, und sich die Mine ei­nes Mannes geben wollte, vor dessen Augen nunmehr alle Geheimnisse aufgedecrt lagen. Solche Dinge lassen sich ganz gut lesen, wenn man nur erst den philosophischen Jargou gefaßt hat, (man verzeihe mir dieses fremde Wort, ich wüste keinen deutschen Ausdruck und mochte auch nicht gern philosophische Zauber» oder Zigeunersprache sagen,) mit welcher nicht nur eine jede Secke, oder Menschenalter, sondern gar ein jeder Schrift­steller, und Anfänger im Schreiben, seine theils tausendmal gesagte Din­ge, rheils seichte Einfälle und Beweise einkleidet, und bald von den Scho- kastickern bald von den Ausländern herholet, bald zum Trutz der gewöhn­lichen Sprache des Umgangs selbst erfindet. Wir andre armseeligeLeute, welche nicht gern groß thun, nichts als Menschenverstand haben, undger- ne in der Sprache des Umgangs, die alle Welt versteht, oder wenigstens in einer schon hinlänglich bekannten und einqeführten Kunstsprache reden, wir sollen nun mit aller Gewalt solche Schriftsteller für große Geister an- sehen, die nur allein die Schlüssel zu der Wahrheit in Händen haben, dis doch einem jeden gemeinen Mann bekannt ist, obgleich nicht in der ihr angelegten Maske. Man kann die Philosophie der meisten wie die Ge­schichte in die fabelhafte und wahre eintheilen. Ein Thcil ist ossenbahr ganz fabelhaft, in dem andern Theil ist Wahrheit mit fabelhaften Zusä­tzen so sehr gemischt, und immer in der Mythologie und kaum der dritte Theil ist eigentlich wahr und brauchbar. Dieses kommt unter andern auch daher, daß man diejenige welche scharfsinnig und witzig genug gewesen sind, Hypothesen zu ersinnen, sogleich bewundert, ohne zu fragen, ob ihe re Sätze auch das erklären und beweisen, was sie haben erklären und be­weisen sollen, ob die vorgetragne Sachen wichtig und brauchbar aeniig find, und ob es sich der Mühe verlohnt dichlbigen erst noch mit vielem

Lleiß,