Wochenblatt. r9Z
Ursache. Er ließ seinen Esel mit Wolle beladen; und wie diese durch die angezoaene Feuchtigkeit nmt schwerer wurde, bezeugte der Esel ferner keine Lust, sich mit seiner Ladung zu baden.
So viel von der Vernunft, Behutsamkeit, Klugheit und Ueberle- gung. Was die Schönheit betrift, so sind wir zwar selber noch nicht eins, worinne dieselbe bestehe; indem einige das schön nennen, was andere für häßlich halten: So viel ist aber doch außer Streite, daß viele Thiere an Reinlichkeit, Zierde, Farbe, Verhaltniß und Einrichtung derTheile uns weit übertreffen, und em jeder, der sich einen ganz nackenden Menschen vorstellet, wird gestehen müssen, daß sich für ihn eine Decke weit mehr schicke, als für alle übrigen Thiere. Sehen wir ferner auf Vie Leibesstarke: Ein einziger Elephant, ein Crocodili, oder ein Tyger kann eine ganze Menge Menschen zu Boden werfen , ob ich gleich gestehen Muß, daß wir im Tödten, in so fern es eine Kunst ist , es ihnen weit zuvor thun. Allein, dieß tragt, wie ich glaube, wenig zu unserm Ruhme oder Vortheile bey. lieber dieß alles, sind sie uns in der Mäßigkeit, in der Dankbarkeit und Freundschaft, und vielen andern Tugenden, zum wenigsten gl »ich. Die Liebe und Treue der Hunde gegen ihre Herren sind so bekannt, daß ich meine Leser beleidigen würde, wenn ich davon einige Bevspiele anführen wollte, und wir sehen, daß öfters Pferde eine so genaue Freundschaft mit einander aufrichten, daß es schwer halt, sie zum Fressen oder Fortgehen zu bewegen, wenn man sie von einander trennet.
Es ist meine Absicht nicht, durch diese Abhandlung den Menschen zu untergraben, oder zu behaupten, daß er in der Schöpfung von geringerer Würde sey, als wozu ihn die Vorsehung scheint bestimmt zu haben. Ich suche nur seinen ausschweifenden Stolz zu mäßigen. In dieser Absicht habe ich gezeiget, daß andere Geschöpfe sowohl ihre Fähigkeit haben , als er, und mit Fähigkeiten begabt sind, die er, auch wenn er sie mit den sei- nigen vergleicht, nicht Ursache hat, zu verachten. Alle Dinge in der Welt haben eine gewisse Aehnlichkeit miteinander und stehen unter einerlei) Gesetze. Es ist wahr, es ist einiger Unterschied in der Ordnung und in den Graden: aber alles steht doch unter der Regierung und unter demEin- puffe eines einzigen allweffen und allmächtigen Wesens«
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