Wochenblatt. r
Mensch und Mensch sey, als zwischen den Menschen und einigen Arten der Thiere; und eine aufmerksame Vergleichung wird uns überführen, daß wir nur gar zu wenig Ursache haben, uns selbst so hoch zu schätzen, als wir thun.
Wenn ich mit meiner Katze spiele, spricht Montagne, wer weiß, ob ich ihr nicht mehr Lust mache, als sie mir? Wir ergötzen uns alle bey- de. Und wenn ich meine Stundenhabe anzufangen, und sie abzuwessen, so hat sie ebenfalls die ihrigen.
Daß die Thiere eine Art der Sprache unter sich haben , ist^außer. Streit: und daß sie mit uns nicht reden können, davon mag die Schuld wohl eben so sehr an uns, als an ihnen, liegen, indem wir sie nicht mehr verstehen, als sie uns.
Was die Handlungen der Thiere anlanget; können wir uns wohl einbilden, daß eine so ordentliche und wohl eingerichtete Regierung, als die Regierung der Bienen ist, ohne Klugheit und Betrachtung unterhalten und fortgesetzet werde? Oder, daß die Ameisen , und viele andere Arten der Geschöpfe, sich so sorgfältig vor den kalten und unfruchtbaren Jahreszeiten verwahren, und so viel Behutsamkeit anwenden, ihr Futter vor den Räubern in Sicherheit zu bringen; sollte das wohl ohne Erkenntniß und Ueberlegung geschehen?
Wenn die Schwalben im Frühlinge zu uns kommen , alle Winkel und Ecken unserer Hauser durchsuchen, um die bequemsten Platze für ihre Nester zu ifinden, und endlich unter tausenden solche erwählen , die sich am besten zu ihrem Vorhaben schicken ; geschieht dieß alles ohne zu urthei. len und zu unterscheiden? Vermischen sie ihren Leim und Koch mit Wasser, ohne zu wissen, daß er weicher wird, wenn er feucht ist? Füttern sie ihre Nester mit Pflaum-und andern Federn , ohne vorher zn sehen, daß ihre zarten Jungen auf solche Arc sanfter ruhen werden ? Machen sie den Eingang an ihren Wohnungen, an dem den rauhen und regnichten Gegenden entgegen gesetzten Orte, ohne die Eigenschaften der Winde zu erkennen, und zu empfinden, daß der eine warmer und erquickender als der andere sey? Warum wollen wir einerlei) Wirkung , bey ihnen und uns, unterschiedenen Ursachen zuschreiben? Wenn ein Fuchs über einen gefror* nen Fluß gehen will, und sein Ohr ans Eis leget, und horcht, ob der


