Einzelbild herunterladen

178 ZVochenblate-

nossen, als meine Wohlthäter an, die mir meine Lebenstage bequem ma­chen, und in bulflofen Umstanden, in Schmerz und Krankheit, durch Wachen und Sorgfalt, ein wohlthätiges Verdienst um mich erhalten. Wie oft kann nicht der ärmste und geringste Mensch, durch ein gutes Ur- theil, mir nützlich werden, und meinem guten Namen dienen! Und wie Vielmahl hat es die Gcschichre bestätigt, daß die Glücklichsten dem Wech­sel der menschlichen Dinge unterworfen sind! Niemand ist so reich, und so groß, daß er nie zu befürchten hätte, dürftig und niedrig zu werden, und niemand so arm und gering, daß er nicht hoffen könnte, in beßre Um­stände zu kommen. Der Glücklichste kann den Beystand dieses Armen einmal nöthig haben.

Wenn wir gegen die Geringen und Armen wohlthätig sind, so können wir hoffen, daß wir uns in veränderten Umstanden ihrer Wohltha- tigkeit wieder werden zu erfreuen haben. Eine wohlthatige Herrschaft wird in beschwerlichen Umstanden, willige Dienstbothen haben, die dadurch wieder ihre Wohlthäter seyn werden. Und bei) einem erfolgten GlückS- wechsel, kann mir der Arme den Veystand leisten , den ich ihm ehemals in glücklichem Umständen leistete Wenn diese Betrachtung in unfern Herzen von Jugend an Wurzel schlüge, so würden wir desto willigerwer- ven, dem Armen und Geringen wohl zu thun, in der ftölichen Aussicht, daß dieser Arme vielleicht auch einmal unser Wohlthäter werden kann, und daß wir bey veränderten Umständen nie ganz verlassen seyn werden. Die­se Wahrheit ist durch die Erfahrung schon tausendmal bestätigt worden, und die folgende kleine Geschichte mag meine Leser daran wieder erinnern, um sie in wohlthätigen Gesinnungen gegen die Armen und Geringen zu befestigen.

„ Ein junger Genueser verließ sein Vaterland, um die vornehmsten Städte in Italien zu besuchen. In Livorno hielt er sich eine Zeitlang auf, die Stadt zu besehen. Nichts rührte ihn so empfindlich, als der Anblick einer Anzahl gefangner Türken, welche die Einwohner auf der See bekommen, oder gekauft hatten, und die sie zu ihren Diensten ge­brauchten , wiewohl sie dieselben nicht mit so vieler Strenge behandelten, als die Türken gegen die Christensclaven ausüben. Der Genueser, wel­chem ihr Unglück nahe ging, machte einigen kleine Geschenke, und be­zeugte allen sein Mitleiden.

Nach