l*4 Wochenblatt.
Aber haben wie auch dergleichen dramatische Stücke!, die wir von unfern Kindern sogleich könnten aufführen lassen ? Wir haben dramarr- sche B»rndersprele / die vor etlichen Jahren zu Straßburg erschienen sind; allein sie gehören mehr für Jünglinge, als für Kinder. Die aus dem französischen des Herrn von Morsy übersezten Spiele der Klemen Thalia sind schon mehr aus der Spahre der Kinder genommen, und so wohl wegen der Kürze, als wegen der aus dem bürgerlichen Leben entlehnten Ve- aebenheiten dem Alter und den Fähigkeiten der Kinder angemessen. Dee Mangel, den wir an dergleichen dramatischen Kinderspielen haben, mag es also entschuldigen, wenn man sich bey anzustellenden Versuchen grosserer und für das öffentliche Theater bestimmter Stücke bedienen wird- Les- 6n«s Philoeas/ ist schon an verschiedenen Orten von jungen Leuten auf. aefühtt worden, vornemlich deswegen, weil keine Frauenzimmer-Rollen darinnen Vorkommen. Geßners Ernst würde mir fast noch besser gefallen , da die Fabel nicht aus der Helbengeschichte, sondern aus dem bur- «erlichen Leben genommen ist. Vielleicht dürsten wir uns mit der Hof- nuna schmeicheln, daß in unfern Zeiten, wo man fast alle Felder derPoe- üe mit so glücklichem Erfolge zu bearbeiten anfangt, auch diese Dlchtungs- art mit nüzlichen und schönen Stücken werde bereichert werden. Und vielleicht dieses der erste und beste Schritt, den man zur Verbesserung deS deutschen Theaters und zur Ausbreitung einer Liebe zu demselbigen tlM könnte.
Ich habe des Nutzens, den man von einem solchen Kindertheaker riehen kann, schon gedacht. Man darf dasselbige auch als eine vortresii- cde Uebung des Gedächtnisses ansehen, die unter dem wörtlichen Mcmon- ren vielleicht den ersten Plaz verdient; weil bas Kind hier sem gelerntes Vensum nicht bloß herlallen darf, sondern eine richtige Deklamation und Mtion damit verbinden soll. Das letztere kann nicht geschehen , wofern es seine Rolle nicht vollkommen versteht. Und so sollte das Memorrren durchgehends geschehen. Ist es nicht auch noch über dieses ein unschuldi- aes Vergnügen für Kinder, daS sie vielen andern unnützen Beschäftigungen und leeren Spielen vorziehen werden ? Auch in das zarte Herz kann dabev mancher gute Saame fallen, der in der Zukunft eine uns erwartete frucht tragt. Ich setze dabey zum voraus , daß in dergleichen dramatt- scken Kinderspielen tugendhafte Charaktere, gute moralische Scntimens und manche Regel der Klugheit für das bürgerliche Lehn enthalten sind.
Aver.


