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Wochenblatt r8r

beit und Freymüthigkeit, auch vor einer zahlreichen und unbekannten Ver­sammlung einen lebhaften Vortrag zu machen.

Das wichtigste bey der ganzen Sache ist die Wahl eines kleinen und guten dramatischen Stücks, das den Fähigkeiten und Kräften der Kinder angemessen ist. Keine Farce oder kein Poffenspiekdarf man hler rncht wäh­len, weil diese Stücke theilS den Kindern anstößig werden könnten, theilS auch die in denselbigen zum Grunde liegende Fabel nicht aus der Spähr- der Kinder genommen ist, und die Charaktere dem hnblichen Älter nicht angemessen sind. Eben so wenig schickt sich für Kinder ein Drama , das auf dem Heldencothurn einhergeht; das Kind kann sich weder m die Rolle eines Richards oder einer Pelopia hinein denken, und sich also auch die zu dergleichen Rollen gehörige Action nicht geben. Es würde mir fast eben so anstößig werden, wenn ich einen Knaben von zehn oder zwölf Jahren die Rolle eines Osmanns in der Zaire spielen sähe, als wenn er vor mir in einem kolossalischen Harnisch erschiene. Bey den meisten theatralischen Stücken ist die Liebe der Grund, auf welchem die ganze Fabel gebaut ist. Daher taugen die wenigsten dieser Stücke für ein Kindertheater. Wenn man auch nicht zu befürchten hätte, daß sie dadurch zu frühe mit einer Lei­denschaft bekannt gemacht würden, die für das Herz, oder doch wenigsten- für die Ruhe deffelbigen, gar leicht gefährlich werden kann: so werden sie auch nicht im Stande seyn, die Rollen eines solchen Stückes gut zu spie­len. weil sie dieselbigen noch nicht verstehen.

Wahre und rührende Begebenheiten oder auch erdichtete Fabeln aus dem bürgerlichen Leben verdienen vorzüglicher Weise bey dramatischen Km- verspielen zum Grunde geleget zu werden Kleine Familiengemälde, wel­che merkwürdige Beyspiele der kindlichen Liebe und Dankbarkeit, einer un­eigennützigen Freundschaft und dergleichen enthalten, geben den besten Stoff zu dergleichen dramatischen Stücken ab. Am allerbesten ist eS , wenn sie einzig und allein Kinderrollen enthalten, daß man sich nicht genöthiget sieht, entweder erwachsene Personen mit spielen zu lassen , oder den Kindern die Rollen erwachsener Personen aufzutragen. Möglich ist es, daß man der­gleichen Fabeln findet; denn die Kmder haben eben so gut unter sich selbst ihre Begebenheiten, als die Erwachsenen. Und man fordert ja von einem Kinderdrama keineswegs, daß es uns erschüttern, oder durch einen tiefverwi- selten Plan durch unerwartete Situationen intmßiren und überraschen soll.

N n r Aber