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losigkeit besteht. Herr Hartsinn verlangte von ihm , einen Wechsel als Zeuge zu unterschreiben, und sein Freund schlug es ab. Der Wechsel war freylich falsch; aber Herr Hartsinn hätte dadurch etliche tausend Tbaler gewinnen können. Er glaubet, sich mit Recht über einen Menschen zu beschweren, der die Freundschaft in die Gränzen der Ehrlichkeit einschränken wollte.
Herr Wcstensiolz hat fast eine gleiche Gesinnung. Er glaubet, daß ihm die Rechte der Freundschaft einen unumschränkten Anspruch auf das Vermögen seiner Freunde geben; und er bediente sich seines Rechts, sooft er einen wichtigen Verlust im Spiele leidet. Dieser Fall trägt sich zum Unglücke seiner Freunde sehr ost zu. Herr Westenstolz hat sich schon $u ebner so edlen Freyheit gewöhnet, daß er bey Gelegenheit seine Freunde zu Bürgen einsetzet, ohne sie erst deswegen zu befragen. Er ist zum voraus versichert, daß sie ihre Pflicht erfüllen werden. Ein paar mal hat er zwar ungetreue Freunde gefunden, die es ihm adschlugen, seine Spielschulden zu bezahlen. Er har sich aber nachdrücklich an ihnen gerächet. Denn er lästert in der ganzen Stadt auf sie. Seine standhaften Freunde aber erfahren auch in andern Fällen oft neue Proben von seinem großmüthigen Zutrauen. Der Weinhändler und der Kaufmann bringen- ihnen davon bisweilen, wenn Herr Westenstolz nicht selbst bezahlen kann, sehr überzeugende Beweise ins Haus-
Herr Gleich;» ist eben von dem weiten Umfange überzeuget, den die Rechte der Freundschaft haben. Er behauptet aus diesem Grunde, daß ein Freund gar keine Bedenklichkeit gegen den andern brauchen darf. Ec saget seinen Freunden hundert Grobheiten; er saget ihnen die empfindlichsten Dinge, ohne ihre Zärtlichkeit, oder die Umstände, in denen sie sich befinden können, im mindesten zu bedenken. Selbst ihre guten Namen schonet er in Gesellschaften nicht; denn sie sind seine Freunde, und also darf er wohl von ihnen die Wahrheit reden.
Alle meine Leser sind bereit, die Aufführung dieser Personen zu verwerfen; ich weis es gewiß. Ich wünsche aber, daß nicht viele unter ihnen seyn möchten , denen man das
mutato nomine de te Fabula narratur zurustn könnte. Krito wird sich nicht lange bedenken, Herrn Hartsinn für einen ungerechten und eigennützigen Mann zu erklären. Krito urchei- let


