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besser helfen, als Herr Schlaukops> und er ist schon etliche mal an seine Schuldigkeit erinnert worden. Seine Antwort war allezeitdiese: Ich kann ihm nicht helfen. Wollte ich es thun, so müßte ich mich offenbar wider seine Gegner erklären: und wer wird sich ohne Noch Feinde machen ? So weit erstrecken sich die Rechte der Freundschaft nicht. Schlaukopf sicht seinen Freund zu Grunde gehen, und bleibt ein gelassener Zuschauer, um die Granzen der Freundschaft nicht zu überschreiten.
Man stehet leicht ein, wie nichtswürdig diese Entschuldigungen sind. Unter dem -Vorwande, die Granzen der Freundschaft nicht überschreiten zu wollen, verbirgt Hartsinn seinen schändlichen Geiz, Kallias einen niederträchtigen Eigennutz, und Schlaukop eine verächtliche Menschenfurcht. Wie viele Menschen sind ihnen ähnlich! Alle diejenigen sind es, die bey den Schicksalen ihrer Nebenmenschen unempfindlich bleiben, die sich durch Arglist und auf Kosten ihres Nächsten in die Höhe schwingen, und die mit sklavischer Furcht einen Lasterhaften verehren , wenn er nur mächtig ist. D.r Grund von dieser verwerflichen Aufführung liegt in einem Herzen, welches sein ganzes Glück und alle seine Freuden in dem gegenwärtigen Augenblicke suchet, und nichts für Pflicht hält, was ihm nicht selbst unmittelbar vortheilhast ist. Dieses Herz wirkt in ihnen durch alle besondere Auftritte des Lebens fort. Der Geizhals, der Betrüger, und der niederträchtige Schmeichler im gemeinen Leben, ändert sich nicht, wenn er Freunde bekömmt. Er betrachtet nur sich in dem Umkreise seiner Begierden. Alle edle Empfindungen der Freude, Die ein erhabner Geist suchet, seinen Ne- benmenfchen glücklich zu machen, sind ihm völlig unbekannt. In seinen Freunden sieht er nur Werkzeuge zu seinem Vortheile, und er ist gleich bereit, sie zu verlasst», wenn ihre Erhaltung ihm selbst etwas kosten müßte-
Nicht alle Menschen setzen der Freundschaft sso enge Gränzen. Die meisten dehnen sie ins Unendliche aus, aber nur die Freundschaft, die sie von ihren Freunden erwarten. Herr Hartsinn selbst sieht es gern , wenn seine Freunde ihm ihr Glück und ihren guten Namen aufopfern. Er ist beherzt genug, die unverschämtesten Foderungen an sie zu wagen, und dieselben Freundschastsrechte zu nennen. Er klaget noch in den bittersten Ausdrücken über die Treulosigkeit eines falschen Freundes, der ihn in einer wichtigen Sache verlassen hat, Man weis ungefähr, worin» diese Treu-
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