Wochenblatt. 37
dem Zustande der Wcibspersonen zu sehr nähere, verunehret" sie. Diese sind es auch eben, welche die Frauensleute am meisten lieben: sie genießen der Ehre, welche diejenigen haben, denen sie gewogen sind: ihr Verdienst und die Hochachtung, die man für sie hat, schmeicheln ihnen : sie finden darinn Hülfsmittel, der sie bedürfen und denen sie ihr Zustand unterworfen hat. Ueberdieß Heist dieses Eingriffe in ihre rechtmäßige und natürliche Rechte thun: bloß ihnen kömmt es zu, alles gethan zu haben , wenn sie sich haben gefällig machen können.
Wenn ich vom Studiren rede, so schränke ich es nicht in dasjenige ein, welches den verschiedenen Standen , darein das bürgerliche Leben ße* rheilet wird, und welche verschiedene Arten der Erkenntnisse fordern, noch- wendig ist: Dieses das ist wesentlich; es kann durch nichts ersetzt werden- -Das Lächerliche derer, die alles wissen, bis auf das , was sie wissen sollen, ist sichtbarer und schädlicher als einiger andrer ihres, welche, da sie nicht mehr als einerlcy wissen, beständig davon reden, und aller Welt damit überlästig sind.
Durch das Studiren verstehe ich dasjenige, das sich für jedermann schicket, in welchem Alter und Stande man auch immer fey; dabey man von den allerernsthaftigsten Geschafften ausruhet; welches der Sprache Annehmlichkeiten giebet; den Verstand, das Gemüth, und die Sitten bessert; uns mit den schönsten Zeiten der Griechen und Römer bekannt machet; uns der großen Männer aus allen Nationen wieder erinnert; uns die verschiedenen Gaben des Verstandes zu erkennen giebet; uns davon zu urtheilen lehret; uns denjenigen Geschmack an schönen Dingen bey- bringet, welchen die natürliche Einsicht anfängt, und der seine Vollkommenheit nur den Wissenschaften zu verdanken hat.
Dieses Studiren verlanget die Welt bey allen, dieses liebet sie; sie -will, daß man dieses einzige getrieben zu haben scheinen soll: man muß gewisser maßen die andern Studien vor ihr verheelen. Sie fürchtet den -Krahm der Gelehrten; es findet sich auch nicht selten Eitelkeit dabey: die Anführungen machen die Zuhörer verdrüßlich oder schlagen sie darnieder. Mignard beklagte sich bey Ninon Lanclos darüber, daß es seiner Tochter am Gedächtnisse gebreche. Ihr seyd sehr glücklich, sagte Ninon zu ihm, sie wird nicht anführen.
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