3 8 Wochenblatt.
Die Sittsamkeit begleitet das Studiren, davon ich rede: es gleicher derjenigen Schulfüchsen ihren nicht, welche ohne Annehmlichkeit disputiren, welche ohne Gewalt entscheiden, und bey welchem die jungen Schüler einen richterlichen Ton annehmen, damit die Welt Mitleiden haben wird , bis sie die Zeit gehabt haben, den Staub abzuschütteln, der sie bedecket, und sie zu erkennen hindert, daß man zu zweiseln lernen muß, wenn man einmal wohl urtheilen will.
Man überstehet niemanden diejenigen Urtheile, welche der Hochmuth und die Einbildung eingegeben haben: jungen Leuten stehet eS noch weniger an, dergleichen vorzubringen. DeS Pythagoras Schüler dorften fünf Jahre nicht reden.
Die guten Studien verbessern überdieß eine Menge von Gebrechen, die gar keine Verwandschaft mit ihnen zu haben scheinen. Man studirt nicht eben darum gelehrt, sondern besser zu werden; man gelangt dazu, wenn man nur den Willen hat. Man findet alle Arten des Nutzens in den Büchern.
Wir wollen damit beschließen, mein werther Anst, womit wir an- gefangen haben. Das Glück und der Wohlstand der Gottlosen mögen «uch sagen, waS sie wollen; es mögen sie, dem Scheine nach, Ergetzlich- keiten umgeben, so kann uns doch nur die Tugend mit uns selbst, und mit andern vergnügt machen, man kann kein wahrhaftiges Glück ohne sie haben. Diejenigen, welche mit ihrem Schaden lachen , lachen nur mit den äußersten Lippen: ihre Freude ist von denjenigen, die sich mit Bitterkeit endigen. Der Weise hatte alle Zustände des Lebens probiret : er bekannte, daß alles ohne Tugend eitel und vergänglich wäre. Man kann sich mit allem berauschen: es giebet Augenblicke, wo man sich ohne sie für glücklich hält; es sind nur Augenblicke; wenn die Trunkenheit vorüber ist, bezahlet man diese kurze Jrrthümer sehr theuer.
Verlasset euch hierinn, mein werther Anst/ auf den Weisen, den ich euch angeführet habe; bey ihm verlasse ich euch. Die Erfahrungen, so er gemacht hatte, hatten ihn dahin geführet, von allem weislich zu urtheilen. Ihr könnet nichts besserS thun, glücklich zu werden, als wenn ihr seinem Rathe folget. Et cognovi, quod nihil eilet mdius , nifi laetari & facere bene in vita lua. K ♦ *
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