2.04 Wochenblatt.
Liebe schmecken und verehren, ja empfinden sollen , daß unser, Glückselig- keit der Beweggrund von der erwählten Einrichtung dieser Welt siy. Du verlangest nicht, daß wir in Finsterniß und Schwermut!) unser Daseyn als ein Unglück beseufzen; du erlaubst uns , daß wir unschuldiges Vergnügen , jedoch nicht anders als mit dankbarem Herzen genießen dürfen. Wenn mich der Vogel unter dem Himmel wegen seines schnellen Flugs, wegen feines Baues und Gesangs in Verwunderung setzt: so soll ich auch mich zugleich an den Dank erinnern, den ich dir, König des Himmels.' schuldig bin, da dein Wort mich lehret, daß sein Gesang dir (ob sey. Du nährest ihn eben so gut, wie mich. Er frißt das Futter, das du ihm aufwachsen laßt, und mir müssen auf dein Geheiß verfaulte Körner nahrhafte Speise bringen. Du giebst Regen und Sonnenschein , daß die schmackhaftesten Früchte aus der Erde hcrvorkommen, da alle meine Mühe nicht einen dürren Halm hervorbringen kann. Ja Gott, Schöpfer und Herr unzählbarer Welten! du thust noch mehr. Du reichest nicht nur deinem Geschöpfe, dem Menschen, den nothwendigsten Unterhalt dar; du giebst ihm auch das, was die Weit Glück , Reichrhum und Ansehen nennet Du fügest Die Ordnung der Dinge auf eine |fo unbegreiffiiche, Weise, daß selbst widrige Begebenheiten unser Glück, anderer Unglück, die Quelle nnsers Wohlergehens seyn müssen. Kurz, du hast uns wun- derbarlich gebildet und auf eine uns unbegreifliche Art erhaltest du uns. Soll ich verwegen seyn und dir auf diesen Spuren deiner Regierung nachgehen und deine Thaten Dem Richterstuhl meinet Vernunft unterwerfen? O nein! Meine Frechheit würde mit Stummheit und meine Neubegierde mit Blödsinnigkeit gestraftt werden. Eben so unbegreiflich mein Auftritt auf diese Schaubühne ist, eben so wunderbar ist mein Abschied davon. Wenn ich hieran gedenke: so erstaune ich, ich sinke zur Erde nieder, stnd bete Dich nur an, dich dessen Hand mich in den Staub legt, wovon ich gemacht bin. Möchte ich doch nur dem Zweck meines Daseyns gemäß die unwiederbringlichen Stunden meiner kurzen Walfahrt so anwenden, daß mich Der Abschied aus dieser Welt zu einem weit vollkommenem Vergnügen brächte und in einen solchen Zustand versetzte, in welchem ich die Geheimnisse der Natur und Gnaden mit Hellern Augen betrachten kann und destomehr angestammt werde, dich, den allmächtigen Schöpfer und erbarmenden Erlöser durch die Kraft deines göttlichen Geistes so lange ju verherrlichen, als du derselbe bleiben wirft.
Hamm. B.
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