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Wochenblatt. 3 ß

Gedanken über das viele Lesen der Romanen r

In etlichen Briefen.

Mein Herr!

Sie fragen mich um meine Meynung in Ansehung der Romanen? . r ? , Vieüe,*f einen Vertheidiger derselben an mir zu finden. Sie irren sich aber sehr, denn ich habe nach meiner Meynung so viele Gründe wider sie, daß ich nicht anders, als sie für schädlich halten kann:

Hören Sie nun meine Gründe wider die Romanen fein ruhig, tna# Hk" Sre nm ja keine böse Miene dazu, sonst schweige ich gleich still:

s Freund der Tugend, die uns der Gottmensch gelehrec

und Mit Wundern bestätiget hat, und ich darf also wohl bey Ihnen mit emem solchem Grund, der diesen Punkt betrift, anfangen. Die besten Domänen ein Grandison - eine schwedische Gräfin stellen uns zwar die Lugend m dem glänzendsten Lichte vor, allein sagen Sie mir doch: ist die­se Lugend des Romanenhelden eine wahre Tugend? Aus was für Bewe- - gungsgründen handelt er? Ich gebe zu, daß manche ohne die christliche Religion sehr tugendhaft leben können, daß ein Sokrates, ein Polemon, ein Collin, ein Gerbury sehr religiös, und rechtschafne Männer waren, und daß unsere Zeit mehrere dergleichen aufweisen kann. Dis gestehe ick und dre Tugend solcher Männer ist diese, die in allen Romanen aeschil- dert wird, und die Tugend eines GrandisonS ist. Diese erhebt man nun, und denkt nicht, daß eS noch eine erhabnere eine himmlische Tugend aibt, die das Christenthum lehret, und die Gott eigentlich von uns fodert. Der Romanenfreund von der Tugend seines Helden eingenommen kennt in sei, nem Enthusiasmus keine andere Tngend als die in solchen glänzenden Si- tuationen sich zeiget, wie ohngefahr Grandisons seine, und die eben so be- wundert wird: unterdessen übersieht er den weit erhabenern Christen, der in feiner Brust die Rache gegen einen beleidigten Feind ohne Geräusch m unterdrücken sucht, der in seiner Kammer ohne von jemand gesehen zu wer­den, um das Glück seines drohenden Feinds, um die Bekehrung der La­sterhaften, um Stärke wider seine böse Neigungen zu Gott flehet, der tu­gendhaft handelt, auch da, wo ihm sein Vortheil, seine Neigung eS miß' rath, und warum? um dem Gott zu gefallen, der ihm sein Daseyn, sei­ne Gesundheit, das Glück deS Christen gab; aus Liebe zu seinem Erlöser,

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