Ausgabe 
29.1.1771
 
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Giesse r

VoGenblatt.

Fünftes Stück.

Dienstags dm rAten Ian. 177 r-

Mit Hochfürstl. Hessen Darmstndtischergnädigsten Erlaubnis.

Von den Vorbedeutungen-

Gelegenheit des vorigen ztenStücks sinddrey Fragen aufgeworfe» worden. Dir erste ist: Sollten dann Nordscheine gar keine Vor- bedeutungen haben? Die zweite: bedient sich Gott nicht der Begebenheiten der Natur um einen Einstus in die Sitten zu bewürken? Die dritte: Ist eS nicht klug dem gemeinen Mann Vorurtheile dieser Art zu lassen?

r. Auf die erste Frage. Es ist dem Menschen nichts natürlicher als das Zukünftige zu wissen; daher ist es kein Wunder, wann die Einbil- dungskrast auf allerlei) Mittel verfallt, wodurch sie der Wisbegierde ein Genüge zu thun trachtet. Wahrsagungen waren bey allen Völkern be­liebt; sie erhielten sich lange; man hatte sie so wcrth daß man es nicht be- merckte wann sie auch hundertmal fehl schlugen, und eine einzige übereinstim­mende Begebenheit konnte alle Täuschungen aufeine lange Zeit Wiedergur machen. Wir sehen dieses noch bey dem gemeinen Mann an der Kalen­der »Witterung. Er bemerkt es nicht wann er gleich hundertmal betro­gen wird, und macht viel rühmens wann das Wetter seines Kalenders ein einzigesmal eintrift. Eben so ist es mit den Träumen. Dem Traum welcher unter tausend nichts bedeutenden nur etwas ähnliches mit einem Er­folg hat, wird eine Lobrede gehalten von Kindern zu Kindes - Kind. Bey dieser Begierde die Zukunft zu wissen, welche alle Menschen belebet, darf

E. nw