Ausgabe 
27.8.1771
 
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18* '>i W-chenblatt.

kein Fehler, allein die Klugheit bleibt fcod? immer nur ein relativischerBe- griff. Man ist nur klug in so fern man Leute um sich hat die weniger klug sind. Der schlechteste Halbgelehrte unserer Zeiten würde bcynahe für einen Hexenmeister gehalten seyn, wenn er im i4ten Jahrhundert ge­lebt hätte, und in einem Lande das von lauter Newtons bewohnt wäre, würde ein Newton wenig gelten Die Klugheit schast keinen Nutzen wei­ter, wenn man kcine Leute um sich hat von deren Einsalt man durch ;te Gebrauch machen kann Deswegen hüllte Pythagoras seine Lehren in un­verständliche Sätze, und die Egyptier ihre Weisheit in Hieroglyphen ein, damit sie nur wenigen Adepten nicht aber dem ganzen Volke bekannt wür­den. Die Freymäurer beobachten eben diese nöthige Behutsamkeit. Denn es kann eben nicht schaden, wenn einige kluge Leute in einem Lande sind, vielmehr ist es sehr heilsam, desto schädlicher aber, wenn alle Einwohner eines Landes anfangen klug zu werden. Fast alle Staaten sind bey der Einfalt der Einwohner gewachsen, und bey ihrer Klugheit zerfallen. So­bald die Griechen und Römer so klug waren als sie werden konnten, war es aus mit ihnen. Ein jeder wollte klüger seyn als der andere, hieraus entstanden tausend innerliche Zwistigkeiten, und ihr trauriges Schicksal welches die Folge hievon war, ist bekannt genug. Sollten nicht die Fran­zosen zu den Zeiten des Marot glücklicher gewesen seyn als zu den Zeiten des Voltaire? Die Schweitzer haben aufgehört das glücklichste Volk zu seyn, seit dem sich gewisse kluge Leute unter ihnen niedergelassen haben. Ich wünsche deswegen eben nicht, daß wir eben so dumm seyn möchten üls unsre Halbbrüder die Cura Outans: alles hat fine Gränzen. Wie die Menschen noch in Gesellschaft der Schweine ihre Nahrung unter einem Eichbaum suchten , waten sie nicht so glücklich wie sie hätten seyn können, und ich wünsche mich nicht in die Zeiten hinein, da dieLeUte dumm genug waren zu glauben , baß die Hunde Latein verständen , und aus weiser Kennkniß der päbstlichen Bulle die übrig gelassenen Speisen eines in Bann gethanen Ka.sers nicht verzehren wollten. Nur ein gewisses Maas der Klugheit ist allen Menschen heilsam, dieses dürfen sie nicht überschreiten. Etwas zu wenig, oder etwas zn viel so sind sie elend- Vor vier hundert Jabren litten wir in Deutschland Mangel daran, jetzt quält uns der Ue- berfluß, und hieraus entstehen alle unsere Klagen über schlechte Zeiten, theils , weil wir uns viel Nebels dadurch zuziehen, theils auch unser unvermeidli- chcs Unglück mehr empfinden, öder auch uns Unannehmlichkeiten einbtlden die gar nicht vorhanden sind.

Das