Giesser
Wochenblatt.
Fünf und Dreysigffes Stück.
Dienstags dm r7. August 1771.
Mit Hochfürstl. Hessen Darmstadtjscher gnädigster Erlaubnis. ■
Ursachen / wan»m die Zeiten immer schlechter werden. ♦
SSiöctor Albufarag- liefert seine mehresten Patienten dem Kirchho- xäJ fe. Seine Rccepte sind vortrefiich, denn sie sind aus den besten Büchern genommen. Wenn sie von ohngcfähr einem Menschen in die Hande fielen der die Krankheit hat, wogegen sie gerichtet sind , so müßte es ein besonderer Zufall seyn, wenn er dadurch nicht gehcilet werden sollte. Der gute Arzt begehet nur einen Fehler. Er ist nicht glücklich die Ursache der Krankheit zu errathen; wenn sie im Kopfe sitzt, so sucht er sie in den Füßea, und wenn der Magen leidet, so curirt er die Leber, und giedt daher gemeiniglich Arzeneyen die den Tod beschleunigen, anstatt ihn zu entfernen. Sollte es uns nicht bcv der Cur der jetzigen Zeiten eben so geben ? Ein jeder schreyt über schlechte Zeiten, ein jeder sieht, daß sie höchst erbärmlich sind, ein jeder ist bemüht sie zu verbessern, und siehe da sie werden immer schlechter. Ehe wir also Hülfsmittei verschreiben , wird es wohl rathsamer seyn die Ursache der Krankheit genauer zu unt rsuchen. Ich will es wagen meine Muthmaßungen hierüber bekannt zu machen, die ich jedoch keinem als Wahrheiten aufdringe Ein jeder behält die Frey- heit auch die seinigen vorzutragen, und vielleicht ist unter vielen endlich einer so glücklich die rechte zu treffen.
Wenn ich mich nicht sehr irre, so ist der Sitz von der Krankheit der jetzigen Zeiten in unfern Köpfen. Wir sind zu klug geworden , und hierdurch machen wir uns unglücklich. Klug zu seyn, ist zwar an sich eben
Mm * kein
dem Hannöverischen Magazin zgtcs Stück 1771.


