Wochenblatt. 87
pancratn, die zur Rirche der heil. Marien gehöre, die Rebe zufeyn, und demnach harte die Kirche selbst vorzeiten die Marienkirche, derTheil derselben aber, den wir jetzo das Chor nennen, die St. pancratius- capelle geheißen, wo auch noch jetzo über derselben Thüre das Bilde niß dieses Heiligen zu sehen. Dietrich sagt sie sey niedrig und eng. Sie ist aber gegenwärtig ziemlich hoch und auch nicht gar enge. Sie ist also nachgehends erhöhet und erweitert worden, und dies ist zu Mnckelmanns Zeiten geschehen, der unmittelbar nach dem oben angeführten sagt: die Oauprrirche (wodurch er keine andre als die vorhergenannte zu St. Pans cratii und St.Manen Ehren erbauete Kirche verstehen kann) stehet nächst bey der alten (t*. Schwalbachischen) Burg und ist vor erlichen Jahren ßiemlich erweitert worden, daran stehet ein viereckigter dicker Thurn. Wrnckelmann aber schrieb dieses A. 1697. Von dem hei'.l)ancrarius hat der sei. D Jenichen in einem schonen Programmate de S. Pancratio vrbi« & ecclefiae primariae Gieflenfis numine tutelari A 1757 Nachricht geges beit Er war von Geburt cm Phrygier, aus einer reichen uno vorneh- men Familie, und lebte zu Ende des dritten Sacuki. Nach dem Tod seiner Eltern, die ihm sehr früh starben, führte ihn Dionyfius , seines Vaters Bruder, nach Rom, und daselbst wurden beyde durch den Pabst Caius zum christlichen Glauben bekehrt. Beyde fasten darauf anch den Entschluß sich die Martyrerkrone zu erwerben unb gaben sich deswegen selbst als Christen bey dem damals regierenden unmenschlichen Diocletiano an. Doch Dionysius starb unvermuthet im Gefangniß, Pancratius «her, der damals ein Jüngling von 14 Jahren war, ließ sich mit Freuden enthaupten. Nach seinem Tod erbaute Pabst Symmachus ihm, als einem Herl. Märtyrer, zu Ehren, eine fürtrefltche Kirche an der aureli- schen Straße, welche die folgende Päbste reichlich befchenckt und immer berühmter gemacht haben. Um seine Reliquien bewarb man sich in und ausserhalb Italien, als um die großen Heilrgthümer, und widmete ihm viele Kirchen, worunter denn auch die hiesige Stadtkirche gehört.
d) Dieser Tempel sollte vermutlich die heutige Burgsirche seyn, die lange zuvor, ehe sie erbaut worden, im Werck gewesen. Sie ist aber erst im Jahr 1657 zu Stand gekommen, nachdem vorher auf demselben Platz ein Ballhauß gestanden, welches aberdoch schon im Jahr 1645 jum Gottesdienst, und nicht mehr zum Ballschlagen , gebraucht wurde. Siehe von dieser Kirche das dresjährigeWochenL'latt S. $7- 67. u. w. Äusser der Stadt, und Durgkirchen befindet sich auch hier, vor dem Neuwegerthvr, auf dem Kirchhof, eine artige Todencapelle, worinn die Leichenpredigten gehalten werden, und viele schöne epitaphia zu sehen.
e) Durch das alte Schloß (arcem veterem) wird sonder Zweifel die Eantz- ley verstanden. Denn Ü?inckelmann sagt (p. 211) gantz deutlich : in dem alten Schloß (woselbst man der alten Stadt Merckmalenoch
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