Ausgabe 
20.8.1771
 
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Giesser KPMUWWW Vier und Dreysigstes Stück.

Dienstags den ro. August 1771.

Mit Hochfürstl. Hessen Larmstädtischer gnädigster Erlaubnis.

Vom Ursprung und Vertilgung der Tempelherrn.

^VKann man die Begebenheiten beobachtet, welche unter den Erden- SfS&Ä bürgern von Zeit zu Zett vorgefallen sind, so wird man mehr als einmal in Erstaunen gesetzt, je nach der man sie in einer Bezie­hung betrachtet. Bald stosen wir auf grose und edle Thaten, welche gan­ze Völkerschaften beglücken: bald auf Handlungen, wejche viehische Wuth übertreffen, indem jene ausgesonnen, diese aber mechanische Triebfedern haben; bald auf Schwärmereien, da die erhitzte Phantasie eines einzigen Mannes den vierdten Tbeil des Erdkreises, durch etliche Jahrhunderte in unglückliche Bewegung setzet. Ein Blick über die Menschen überhaupt' macht uns zweifelhaft, ob wir sie zu guten oder boshaften, zu vernünfti­gen oder phantastischen Wesen rechnen sollen; und eben dieses lehret uns, daß der Mensch jedes von diesen seyn könne, nachdem er seyn wolle, unfr er sich als ein unseliges Mittelding zwischen Engel und Vieh, wie sie Haller schildert, zu einer von diesen Gattungen schlagen könne.

Der Gedanke eines Hatters/ daß derMensch ein unselig Mittelding zwi­schen Engel und Vieh seye, bestätiget sich durch die ganze Geschichte. Ein Eremit pe'ru8 setzte durch seine Schwärmereien ganz Europa in Bewegung, und mehr als einmal hundert tausend Menschen überlieferten sich Hunger Schwerd und Pest, und das aus dem schwachen Gedanken , Gott siye etwas daran gelegen, daß das Grab Christi nicht in den Händen der Ungläubigen seye. Diese wiederholten Kreuzzeuge schufen nicht nur Emo-

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