Wochenblatt 31;
einem jedem Sohne Adams die Zufriedenheit des Gemüths ; sie machen die Erde zu einer Wüste, und bereiten dem Menschen Plagen, davon er selbst Die Ursache ist. Der Aberwitz machet es : daß wir die Folgen nicht kennen, und nur bey dem ersten Anblick beruhen. Das X>orur4 eher! macht, daß wir auch das beste, was uns begegnet, nur weil es Mode ist, oft als eine Last ansehen. Und der Stolz schreyet; gar keine Noch und Plage darf sich einem so edlen Volke nähern; von dem gemeinschaftlichen Gesetze muß das Schicksal den edelen Menschen, der eines bessern Glückes würdig ist, ganz gewis ausnehmen.
In diesen dreyen wirst du die ganze Ursache finden , warum der Mensch sein eigener Henker ist. Ich will dirrZ beweisen. Tr'eyrus ruft: Ich bin weit weniger glücklich, alSLanrll/ er sitzt dem Glück im Schosse, er ist selbst des Glückes Sohn; so spricht der Aberwitz; er redet eben so von dem Glücke Catulls, wie der Blinde von der Farbe; wiederBau- er, wenn er die Staatsverfaffung beurtheilen will; er sieht die Last nicht, die den Catull bey seinem glanzenden Glücke sehr drücket. Und der Stolz spricht: War ich nicht eben so würdig, dies Glück zu besitzen als Catull? Warum kam es nur allein ihm und nicht mir ?
Befreye dich von den Vorurtheilen, so wirst du besser sehen; nun laß uns die Gesellschaft der Sterblichen betrachten! Mit Bestürzung wirst du gewahr werden, wie der Mensch sich oft Mühe giebe, sich selbst zu peinigen und zu betrüben; wie das größte Glück oft für die größte Plage gerechnet wird; wie grausam er gegen sich selbst ist , und daß ihm nicht selten eine Möglichkeit in grossen Sorgen verwirret. Siehst du mitfrey- em Blicke auf die menschliche Gesellschaft , so werden dir zweyerley Geschlechter begegnen: das eine scheinet aufgeheitert, vergnügt zu seyn, fühlt aber gar oft im Herzen die Mühe und Verdruß , den der Mund dreiste leugnet. Das andere ist redlich und erösnet sein Herz, bekennet freiwillig, was es thörigt glaubt und denket; nämlich, daß Freude nur derfre- che Muth des Narren sey; daß die Menschen zu Mühe; Seufzen und Elend geschaffen waren; daß Tugend und Gottesfurcht ein gallensüchtig Blut sey. Die ersten suchen zwar Vergnügen zu schmecken, aber sie bauen die Lüste auf das Grab drr Tugend und der Pflichten; die andern wollen ave Arten der Luft von der Erde verjagen, und überschwemmen alles mit einem Meere von Thränen. Komm! laß uns beyden Arten von
Eee 2 Men-


