Ausgabe 
17.12.1771
 
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P4 Wochenblatt.

ein jedes Geschöpf in der Welt hat unter bösen Tagen auch gute, nur allein der Mensch hat lauter Weh und kein Wohl; warum zeigt uns das Schicksal nur der Hofnung Morgenrörhe/ verbirgt aber ihren Schimmer sogleich hinter die Wolke der fehlgeschlagenen Hofnung? Nur unsere Ver­zweiflung in den Seelen zu nähren, die mit erneuerten Sorgen wider neue Sorgen gebieret. Warum ward Hofnung und Lust in das Wesen der Seele geschrieben, da das, wornachwiruns am meisten fthnen, doch stets vor uns fliehet? Warum schuf der Schöpfer den Menschen nicht wie den Engel? Warum setzte er nicht vor ihm Dämme, die er nickt überstei­gen konnte, und so glücklich bleiben mußte? - Das ist zu tief, wer kann es ergründen? - Ein Thier kennet seine Last nur halb, weites unsere Ver­nunft nicht hat. Warum gab der Schöpfer dem Menschen die Vernunft, und machte ihm dadurch sein Elend ganz fühlbarer stehet mit derselben hinter den Vorhang der Zeit, und entdecket doch nur eine dunkle Nacht. Warum ward sein Gesichtskreis nicht grösser - oder kleiner? Allzu viel zu sehen, keine Noth zu fühlen noch zu wenig zu sehen um seine Sorgen mit Trost zuiindern? Das ist ein hartes Besetz, womit uns die Natur straft.

Denke nicht: Der Mensch ward zum Unglück geschaffen; zum Ziel aller Plagen gesetzt, dessen verneuerte Plagen ihm mit jedem verneuertem Tage entgegen kommen. - So würden wir gegen den Himmel murren, und der Staub sich gegen den Schöpfer empören. Laß deinen Blick nicht so dreist seyn, und über seine Schranken , die der Himmel jedem Ge­schöpf weislich gesetzt hat, hinausgehen. - Bedenke, daß du Staubbist, und auch deine Einsichten ihre gesetzten Gränzen haben - schreye nicht län­ger wider die gütige Vorsicht - deine und anderer Menschen Schicksale sind dir ein verschlossenes Buch, das dir die Zukunft nach und nach eröf- nen muß - So weit Himmel und Erden von einander sind, so weit, ja unendlich weit und höher ist die Erkänntniß des Schöpfers als deine Er- känntniß Das was du von den Wegen der Vorsicht zu erkennen ver­mögend bist, sind nur Kleinigkeiten gegen dem, was dir der Vorhang der Zukunft verbirgst. Mensch, du bist blind - jetzt solst du glauben, daß der Schöpfer gut ist. Doch, du sollst auch sehen - aber sehe mit er­leuchteten Augen!

Laß Aberwitz/ vorurcheile und Stolz; dieses sind es Sterbli­cher, die deine Seele in. dunkle Wolken und Nebel verhüllen; diese sind zugleich die Feinde, die dich deiner Hoheit berauben wollen; sie rauben

einem