Gresser Wochenblatt. Nro. 20. r 1
Hauß hatte. Er stund aber bey dem Kaiser in groser Gnade und war General bey seiner Armee. Daher that er durch den kaiserlichen Hofdem Hauß Hessen alle nur er sinnliche Drangsale an, solang Philipp in der Gefangenschaft war; worüber Landgraf Philipp selbst in dem (ßunberobit sehen Diario anecdoto, welches Herr Regierungsrath Mögen bey seiner hiftoria captiuitatis Philippi Magnanimi abdrucken lassen, also klaget: Graf Re»nhardt von Sotmo hargerebt, er wolle erleben, daßLanb- graf Philipp und seine Binder, in solchen Abfall fcyn sollen , baß ihnen nienranb gern ein Maaß wein bürgte. Als nun Philipp sei, ne Vestungen: Lassel Ziegenhain, Giessen, Rüsselsheim und Rhein, fels, bis auf eine, (welche Ziegenhain war) muste schleifen lassen und etwa die Kaiserliche Ordre nicht gleich vollzogen wurde, so übernahm Graf Reinhardt den Auftrag Giessen (entweder selbst oder durch seinen Sohn) zu schleifen, mit besonderm Vergnügen; wovon Dilich in s. Hess. Chron. Th. 2« <S.3i7 und weiter, folgende Nachricht gibt: zu Giessen Hauser er ( Graf Steinhardt) nicht weniger unb befahl alles nieber zu reißen, ba boch die Spanier , so barüber zu Ufsehern gesetzt, nie so, hitzig, sonbern sich mit einem ziemlichen begnügen liefen.' Sein Gemahlin auch, als sie zu Giessen kommen unb gesehen, baß ber Wall nie gentzlich im Graben gelegen, hat sie befohlen denselben noch eines Manns läng niedriger zu machen und an zwcyen Orten den Graben dermasen ausfüllen lassen, baß man zu Mitternachtungehindert durch Giessen reissen und fahren können. Und als die Spanier ihr zur Lntwort gaben, wie nit Erde genug vorhanden , die Graben damitauszusüllen, hat sie darauf geantwortet, ehe esdaranmangeln sollte, wollte sie verschaffen, daß Erde von Licha , da ihre Wohnung, hierzu geholt würde. Es hat auch in diesem jämmerlichen Zustand ermeldtvr Graf die Fürstin Christinam und junge Herren zu unbillichen Oerträgen, belangend Bünigsderg unb anbre Lehen gezwungen, welche boch hernachmal als untüchtig caßirt unb re fein# birt worben. Indessen bekam der grofe Fürst hernach wieder Gelegenheit sich an dem Grafen C den Dilich desselben Lehnmann nennet) zu rachen. Er fiel ihm in Lich ein, rasirte die Vestnng , führte die Canonen weg, davon noch vier in dem hiesigen Zeughauß mit des Grafen Wapen bezeichnet stehen, und nahm (nach einer uralten Tradition ) ans dem Licher Thurn die überaus grofe und schöne Glocke mit, die noch gegenwärtig auf unserm Tburn hängt, und die gröste und schönste unsrer Glocken ist. Doch wurden A. 1555 alleSolmsische Streitigkeiten beygelegt. Von der Wieders aufrichknng der hiesigen Vestungswercke sagtwinckelmann (Th. 2. C.6,) daß sie schon 1 ;6o unter Landgraf Philipp ihren Anfang genommen und in s Jahren vollendet worden; darauf aber habe Landgraf Ludwig ber ältere A. 1571. den Dau an vielen Orten noch starker als vorhin bevesti- gen lassen, wie Paganus über dem Seltzerthor angezetgt; nachgehends sey dre Vestnng durch Landgraf Georg 11. mit Ravelmen und Anssenwer-
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