Ausgabe 
14.5.1771
 
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Mochcnvlakk.

Zwanzigstes Stuck«

Dienstags den iwn May 1771.

Mit Hochfürstl. Hessen Oarmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.

Fortsetzung der Dieerichischen Beschreibung der Stadt Giessen mit Anmerkungen von M. X * *

2. MNnfangs ist die Stadt rund und sehr Nein gewesen, wiedieMerck- male der alten Mauern zu erkennen geben , welche von dem durch Vie Stadt hinfließenden Wasser eingeschloffen wurden *) Sie ist aber hernach, vor dem Jahr 1525, durch räumliche Vorstädte so erweitert worden, daß ihr nun an der gehörigen Größe einer Stadt nichts abgehet, b) Sie hat 4 Thore nach den 4 Gegenden des Himmels, durch welche sie auch in eben so viele Quartiere und Hauptstraßen emgetheilt wird. Marckt und Rathhaus aber liegen in der Mitten, wie das Hertz oder der Magen in dem menschlichen Körper. Gegen Morgen ist das Neuweger- thor angelegt, gegen Mittag das Franckfurter, gewöhnlich das Seltzer- thor genannt, gegen Abend das Heuchelheimer oder Neusiädter Thor, ge­gen Mitternacht das Marburger oder Wallthor. c) Ihr Umkreiß ist so groß, daß man die Schoren zu umgehen eine Stunde nüthig hat. We­gen ihrer vorcheilhaften Lage hat sie Philipp der Großmürhige im Jahr i s ZO. mit Wall und Graben starck bevestigen lassen, und dies aus wich­tigen Ursachen. Denn eS wollte dieser hochweise Fürst, daß Giessendem gantzen Heffenland zu einer starcken Schutzwehr dienen sollte, wodurch al­len Feinden der Zugang zu demselben gäntzlich abgeschnitten würde. Durch Ernst aber, den Grafen zu Solms, ist (A. »547.) auf Befehl des er­zürnten Kaisers der Wall und Graben zum Theil zerstöret worden, d) als eben Landgraf Philipp im Jahr 1 $41. in kaiserliche Gefangenschaft U gerathen