<74 Wochenblatt-
man die Heiterkeit des Gemükhs, dessen Ermangelung der unsichtbare aber der gröste Theil jedes Leidens ist, davon wieder abrechnen muß.
Es kann aber auch gar leicht geschehen, daß eben durch diese erhabene Denkungsart sich manche selbsten zeitlicher Vortheile berauben. Da sie stets auf Gott sehen, da sie die Welt allzugermg achten, so schleicht sich bey ihnen eine Nachlaßiakeit ein , die erlaubte Mittel zu weltlichen Vollkommenheiten zu gebrauchen. B'y Untuqendbaften ist es ganz, anders Casus denket, alle Buß - Fast und » Bat» Tage einmal cm Gott; es ftye dann daß er einmal ein Donnerwetter von ganzem Herzen fluchte, und vabey aus jugendlichen Emprägungen von Ungefähr auf die Idee von Gott stiese. Anstatt daß Der Tugeudftcund bei) feinen Absichten an Gott denket, und vor dem solche überlegt, sokann sich Casus diese Mühe ersparen. Er darf nur denken : wer ist etwan zu verläumoen - wie ist es anzufangen - durch wen räumt man die Hindernisse am besten aus dem Wege es koste was wolle, es leide wer da wolle - Er setzt sich an den Schreibepult, und verläumdet. Um Religion darf er sich nicht bekümmern, diese bat er schon längst, als eine um nüfce Bürde abgelegt. Er (heiler die Rollen aus, es mag auch beteiligt werden, wer da will Ihm stehet Eyd und Gewissen zu Diensten. Die Welt würde das nicht seyn können', waö sie seyn soll, wo sich nämlich Bö es und Gutes, gleich verschiedenen Gewachsen durchemimder schlingen r wann Wunderwerke dieses Geschlin.zre sollte zertrennen Es ist daher aani begreiflich , warum Leute Oie Religion haben vieler Vothcile entbehren; auch aus dem Grund, weil ihnen die Mittel nicht gleichgültig sind. <9nie haben keine andere als erlaubte zu ihren Diensten. Andere haben nicbt nur diese, sondern auch das unermesliche Reich der unerlaubten Mittel ru ihrem Gebrauch. Jedoch sind Tugendhafte schuldig , nicht ganz Ourcb ihre höhere Hofnung, durch ihre edlere Empfindungen , Absichten fton geringeren Gegenständen zu unterdrücken. H'erinnm aber recbfed Skaö ru halten ist kein geringes Stück der Klughut. Wird aber auch OaU ^fehlet, so ist nichts Groses verlodren. Die Religion erfchet allen Schaden; sie, die Religion oder Tugend, welches ems ist, ist von unendlichem Werth, und alles andere ist dagegen unendlich klein zu achten-
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