Giesser
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Ein und Vierzigstes Stuck.
Dienstags den 8. Octsber. 1771.
Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubnis,
Ueber den verschiedenen Character der Hauptpersonen.
pflegt sich häufig von den verschiedenen Nationen, der Verschie- denheit ihrer Denkungs- und Lebensart, entweder falsche Begriffe jU machen, oder an gar keine Verschiedenheit derselben zu denken. Doch wird der letztere Fehler wohl weniger begangen, als der erstere» Dieser findet am meisten in solchen Gegenden statt, wo man keine, oder sehr wenige von den verschiedenen Nationen zu Gesichte bekommt. Den« aus Zeitungen lernt man den Character einer Nation wenig kennen. I« Gegentheil wird uns die Kenntniß desselben, um die Zeitung mit Einsicht zu lesen, sehr brauchbar und nützlich seyn. Es möchte also wohl der Mühe werth seyn, den Character der Haupt» Nationen genauer und richtiger kennen zu lernen. Unter den Character aber einer Nation versteht maa richtig, die besondere, ihr eigene Art zu denken, zu empfinden und zu handeln. Das Temperament also hat einen grossen Einfluß in den Charakter, ist aber nicht mit diesen einerlei).
Daß nun Völker, die unter verschiedenen Gegenden des Himmels wohnen, auch in ihrer Denkungsart, so wie in ihrer Lebensart verschieden seyn müssen, laßt sich leicht begriffen , wenn man nur den Einfluß der Lust und Witterung, und der verschiedenen Arten von Nahrung auf den Körper, und dieses seinen Einfluß auf die Sele, ingleichen die verschiedene Art der Erziehung und der Regierung eines Volkes in Erwägung zieht. Die alten Völker hatten dahero so gut ihren verschiedenen Character,
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