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Giesser MWWDRUA Zwky lind Dreysigslks Stück.

Dienstags dm 6. August 1771.

Mit Hoch fürst l. Hessen Darmstüdtischer gnädigster Erlaubnis.

X)on der Religion.

so ehrwürdige Work Tugend wird auf allen Blättern Morast- SSpZ scher Schriften gefunden. Man erhebet die Tugend und dasbil- l'g: man schreibt ihr zu daß sie die Menschen beglück-, und dar mit Recht. Soll dieses aber wahr seyn, so muß Tugend Religion sevn Dieser allein bleibet der Ruhm, daß fie die grSste Wohlthat für Men­schen seye ; sie allein ist das, was wahrhaftig glücklich macht. Verstehet man unter Tugend etwas anders, so ist sie entweder Tändele», und man misbrauchk diesen heiligen Namen Tugeiiv , oder es ist nur ein geringer Schein dessen was Menschen beglücket. Ersteres geschiehet in unfern Ta­gen von manchen £icbhng« Schriftstellern unserer Zeiten. Sie wollen das Herz zur Tugend bitten, indem sie ihm nichts als Wohllust predigen, und das Laster in schLnen Farben schildern. Menschenfreunde verabscheuen die wahre Verunchrung einer Sache, welch- alle als das kostbarst- Kleinod vermehren sollten. Wohllüstige Schilderungen dieser Lieblingsschrist. st-ller machen da« Herz eben so wenig tugendhaft, als Aneakreontische und andere (in dem heutigen Ton zu reden) allerliebste Liederchen ; und wann man liefet, daß dieses im Ernst behauptet wird, so kann man nicht an­ders denken, als daß der Menschen gespottet werde. Der ernsthafte Th-il der Menschen wird in diesem Stück wie wir dencken, und die Tu­gend nicht in tändelhasten und flüchtigen Regungen zu finden glauben Weit mehr macht man aus der Tugend, die man von Religion unterschei­det, und bloS aus den Grundsätzen der Philosophie herleiten will. Sie

3> verdienet