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an und für sich beglückt? Oder ist sie ein Mittel zu einer auf dieselbe folgende Glückseligkeit.

Die Belohnung welche die Tugend mit sich führet isi ein gutes Ge­wissen. Ob aber ein gutes Gewissen allein beglücke ? Wer wird dieses bejahen. Es bleibt ein wesentlicher Theil der Glückseligkeit, aber allein genommen, ist es nicht hinlänglich. Wann uns ein gutes Gewissen be­gleitet, so sind wir glücklicher, als wann es nicht vorhanncn ist , aber es allein kann das Unglück nicht verbannen. Man gedencke sich einen Menschen unter den grölten Martern , welcher ein gutes Gewissen habe. Wer wird einen solchen Menschen in diesen Augenblicken glückselig nen­nen ? Freylich hat er einen Trost, wann er ein gut Gewissen hat, aber nur darum weil er frey ist von dem folternden Gedancken , er seye selbst Schuld daran; weil er von der Vorfehung kann Hülfe hoffen; und weiter ver* sichert ist der Schmerz werde nicht beständig dauern. Die Glückseligkeit be­stehet in dem Uebergewicht der angenehmen Empfindungen, nicht in einigen Augenblicken sondern in der Fortdauer der Zeit. Die Ruhe des GemüthS gehöret mit dazu, aber sie erfüllet nicht den gantzen Raum der Sele; und die Hofnung des zukünftigen ist ein unentbehrliches Stück der Glückse­ligkeit. ,

In wiefern nun die Tugend die Hofnung des zukünftigen gewahret, in so fern ist sie sich einige Belohnung. Man gedencke sich aber einen Men­schen der vollkommen tugendhaft seye, und nichts wisse von einem andern Leben, auch keine Hofnung habe dieses zu erlangen und darinn beglückt zu seyn, so wird ihn die Tugend schlecht belohnen. Wann heidnische Philosophen den Lohn der Tugend so sehr erheben, so verstehen sie im Grund nichts anders, als die Abwesenheit der Unvollkommenheiten welche grobes La­ster wirckt, und den Ruhm der die Tugend begleitet. Nur zuweilen aber und nicht allezeit ist die Ehre ein Gefährte der Tugend. Das Laster findet gemeiniglich bessere Wege zur äuseren Ehre als die Tugend. Der Tugendhafte wird niemand beleidigen; nicht in die Rechte eines andern eingreifen; die Beleidigungen seiner nicht ahnden: nicht böses mit bösem vergelten. Nun müste man in dieser Welt sehr unerfahren seyn, wann man nicht wissen wollte, daß ein solcher der Raub seiner Feinde wird. Der Tugendhafte thut seiner Schuldigkeit ein Genüge; dieses schützet ihn aber in der Welt nicht vor Elend, hingegen hat er die Früchte davon in jener Welt zu gewarten. Er besitzet die Hofnung des Christen, dann niemand als ein solcher kann wahrhastigeTugend besitzen. An und für sich belohnet demnach die Tugend nicht, aber ihre Folgen machen beglückt. T.