2 Wochenblatt.
Religionsgebrauchen tilgen wolte. ♦ Als einen Veweiß , daß die Gewohnheit der Alten, zu Vertreibung dieser Seuche sehr wunderbar gewesen, wollen wir nur ein Beyspiel erzählen. Es gellte sich em gewisser armer Mann dar, der auf öffentliche Unkosten prächtig ernähret und gemä- ?et wurde. Wie daö Jahr zu Ende war, führete man ihn mit allerley eiligen Zierrathen durch die Stadt. Wo er durch eine Gasse ging, wurden ihm diejenige Gebethe aufgelegt, welche mit den drohenden Nebeln der Stadt überein stimmten, und endlich ersäufte man diesen Menschen und nach dem khörigen Wahn, mit ihm alle Sünden des Volks. Es wird zwar niemand läugnen, daß die Pest , so gut als andere Krankheiten, nicht selten ein Werkzeug der göttliche Rache gewesen , es ist aber auch gewiß, daß!man aus ebendiesem Grund der natürlichen Ursache nicht weiter nachgeforschet, sondern sich dem Uebel gedultig ergeben; da doch der Urheber der Natur, nach seiner unendlichem Weisheit und Güte, auch Hülfsmittel wieder die Pest in die Natur gelegt hat.
So bald Hippocrates anfinge, das Lehrgebäude der Arzneykunst, auf die Wissenschaft der natürlichen Dinge zu gründen , so hatte er die gröste Mühe diese von den alten Götzendienern tief eingeprägte Vorurtheile zu bestreiten und auszumerzen. Er behauptete zwar, daß alle Krankheiten von den Göttern herkamen, niebtß MiAtwmgtr akor Hatto eine jede Krankheit ihre nalürttcye urlachen. *♦ Unter diesen allgemeinen Sätzen, verstehet dieser gross Schriftsteller, wie man aus dem Zusammenhang seines Vortrags deutlich sichet, nichts anders als die Pest, eine Krankheit die damalen das gröste Aufsehen verursachte.
Die Aerzte sind in Beantwortung der Frage was die Pest ssye ? fast einstimmig, daß es ein im höchsten Grad bößartig und ansteckendes Fieber ssye, welches die Menschen wie der Blitz überfällt und niederwirst ♦♦♦ Da aber gewissen Krankheiten dieses eigen ist, daß die schädlichen Säfte durch Geschwüre auf der Haut ausbrechen, und die ihrer Art nach von denge- wöhnlichen Fiebern unterschieden ssyn, als Pocken , Maßern, Friesel und andere, die mit einem Ausschlag verknüpft sind, so werden diese nicht Fieber, sondern Krankheiten mit einem bößartigen Ausschlag, (moibi exan- thcmatici) genannt. Gewisser maßen sind diese Krankheiten alle Pestartig; dann eben bey der Pest , wird der kranke Cörpcr von dem Gift durch herous-
• Celfus de medicina pag. 2.
*' HipocratesLibr.de morbo Sacro, & libro de aere locis & aquis.
*** Horftii opera pag. 339.


