Dienstag den zoten ^un. i7fo, iof
rechtigkcit nicht zu solchem Glücke betragt/ sondern die Ungleichheit der Bemühungen. Wer Recht hat/ ist getrost/ und sein gutes Gewissen macht ihn einiger Machen sorglos/ er meint/ man habe nicht nürhig/ sich sehranzugreissen/ um das zu erhalten/ was einem die Gerechtigkeit selbst zulheilct- Wer aber Unrecht hat/ der ist wachtsam und immer auf seiner Huth/er wendet alle mögliche Mittel an/ die ihm seine List und Bes« hut an die Hand giebt, er trachtet alle von feinem Gegner eingeschlagene Wege zu verhauen/ und scheuet sich vor nichts mühsames/ gefährliches/ schimpfliches/ gottloses/ und wie es Namen haben mag / wenn er sich davon den geringsten Beytrag zu seiner Absicht verspricht- Woher kommt also der erwünschte Fortgang ? keineswegeS von der Ungerechtigkeit, sondern von der der gegenseitigen mächtig überlegenen Mühe. Man hat folglich um glücklich zu fcvn / nicht nöthig / zur Bosheit seine Zuflucht zu nehmen/ sondern darf nur lhun/ was die Schrift sagt/ die da neben dem/ daß sie fordert/ wir sollet! ohne falsch seyn wie die Tauben/ auch haben will/ wir sollen klug seyn wie die Schlangen.
Das durch solche Ungerechtigkeit erhaltene Glück stehet auch auf sehr schwachen Füssen und/ wer die Zeit abwartet / der siehet/ daß die von ihm erhabene auf dem fchlüpfnchen stehen und zurück« fallen plötzlich. GOTT ist Richter in der Welt/ und er kann nichtzugeben/ daß das Gute/ welches er aus heiligen Ursachen eine Zeit lang drucken lasset/ gänzlich unterdrücket werde; noch daß daö Böse/ welches er aber# mals aus gerechten Absichten eine Weile zunehmen und sein Maaß füllen lasset/ sich im Siege feji setze und die Oberhand beständig bel-alte. Wer das Sprichwort verstehet: Mann soll den Tag nicht loben/ bis es Abend ist/ der begreiffet daraus auch diese Lehre.
Dennoch dienet uns das bisherige dazu / daß wir ohne Schwierigkeit verstehen / das m'mstige Glück fen kein Merkmal der guten Sache- Dieses ist ein Satz/ bey dem em Mensch fühlen kann / was die Eigenliebe vermag. Wer die vorstehende Zeile in ihrem Zusammenhänge mit dem vorhergehenden ließt/ wird ihre Wahrheit alsbald zugeben; aber wie verfährt man in der Ausübung. Wenn wir etwas unternehmen / und es geräth/ so wissen wir die Billigkeit unsrer Anschlägen unter vielen andern Beweisen auch dadurch zu erhärten/ daß wir sagen/ der gute Erfolg sey ein Zeichen des göttlichen Bevfalls; die Gegenparlhe» aber sagt:
Careat fuccellibus opto, Quisquis ab eventu facta notanda putat. d j. o daß es dem nie gelinge / her die Güte der Thaten aus -em Erfolge beurtheilt wissen will. Geräth es denn endlich einmal auch diesen guten Moralisten / so vergesse!: sie ihre voiigen Gedanken/ und geben den erwünschten Ausgang vor ein sichtbares Zeichen des göttlichen Segens aus/ und wir sprechen alsdann: careat fucceflibus &c. Wir können nicht umhin den bev einer weitläuftigen Ausführung unsres Satzes von p. Bayle angebi achten artigen Einfall allhier anzuführen. Er sagt: heißt dieses nicht nm Gründen/ wie mit ßltiCwi) versehen seyn; einige für den Sommer und die andre für den Winter? „
Cc , Nicht


