Giesser Wochen-Blatt/ Num* XXVL
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ten eines vernünftigen Lebens sind ihm gegründet. Daher meinen wir keine unnöthige Arbeit iu übernehmen / wann wir in gegenwärtigem Blatte eine verständliche Erklä» rung dieser Sache und den Auszug aus den nützlichsten davon abstammenden Wahrheiten W|-r au| Begebenheiten unsre Aufmerksamkeit richten / welche mildem bereits oft genannten Namen belegt werden / so finden wir / daß alle darin überein kommen/ das Glück sei) ein Zusammenlauf von uns nicht vorher gesehener/ aber von der göttlichen Weisheit und Macht regierter Ursachen / die zu unferm Vorteil oder Schaden würken. Im erste,; Falle heißt es gutes oder schlechthin Glück/ im letzten aber Unglück. Es ist desto weniger zu zweifeln/ daß an der gegebenen Beschreibung nichts auszusetzen sey ; »je leichter sich ein jedes Wort darin rechtfertigen läffet. Die würkende Ursachen stimmen zusammen / ohne daß roir ihren Ausgang vorher sehen/ oder selbst etwas dazu beytragen ; denn sonst schreibt man nichts dem Glücke/ alles unsrer Ueberlegung oder Mangel derselben zu. Wenn ein Feldherr seine Anordnung unrichtig macht / mit allzuwenigen gegen allzuviele fichk / um den Vorrath von KriegSzugehör unbesorgt ist / einen ungelegenen Platz auSsuchl / so verliehrt er die Schlacht und nicht das Glück. Wenn er aber alles gut macht/ was auf ihn ankommt/ Wind und Wetter aber schlägt sich auf des Feindes Seite/ Verräthereyen vernichten seine Anschläge / der Donner entzündet sein aufbehalteneö Pulver u-s.w. und er muß aus dem Felde weichen; so vertreibet ihn das Glück. Entweder flieht es keinen GOtt/ wenigstens ist er nicht das unendliche alles führende und regierende Wesen/ oder alle Glücks - und Unglücksfalle geschehen unter seiner Vorsicht. Die Unergründlichkeit semeö Raths und die Unerforschlichkeit seiner Wege mag umerdesten statt der Antwort dienen / wenn man die nach der gemeinen Meinung verkehrte Auskheilung als einen Zweitel hierwider cmführk/ bis wir im folgenden denselben umständlicher zu heben Gelegenheit finden. Daß endlich unser Wohl und Wcke entweder gänzlich oder zum Tkeile davon abbangen müsse/ist auS der Ursache erforderlich / weil man andre gleichgültige Begebenheiten / die uns nichts Helsen und nichts bindern nicht einmal in Betrachtung ziehet / viel weniger glücklich oder unglücklich nennet.
Damit wir uns den Platz nicht mit demjenigen versperren / waS man am füglichsten entbehren kann; so überlassen wir eine fernere BeunKeilung des vorgeleqtm Begriffes der Einsicht unsrer Leser/ und schreiten zu den Regeln fort/ die man daraus ziehen und zur Richtschnur in seinem Wandel sich dienen lassen kann. Die erste ist diese: man soll sich daS Glück so wenig zu prahlerischen Gedanken/ als das Unglück zur Niederträchtigkeit verleiten lassen. Man ist zu nichts mehr geneigt / als zu diesem, und hat zu nichts w niger Ursache/als zu beydem- Das Glück kommt ja ganz und gar nicht von uns / sondern von Ursachen/ die wir nicht kennen / und zu welchen w>r alio auch Nichts beytragen. Wie wollte ich mich also wegen etwas über andre überheden/ das inub ohne mein Zuthun betroffen hat/ und einen andern eben so wohl hätte betreffen können / als mich / der so wenig daran gedacht hatte/ als ich ? Wer lacht nicht über den


