. Drettstag den r-hm Sept. i7sc>. zoz
Jndess«" ist Vie Schwäche/ eiireu Rach ohne Unterschied anzunehmm/ eben so wohl zu tadeln / als die rauhe Art/ womit man ihn ertheilet. Unser Bestes erfordert es/ jene zu überwinden/ und über diele nicht unwillig zu werden. Man muß zuweilen einem dadurch / öaß man seinen Rath gern und willig annimmt/ be- hülflich seyn/ daß er uns seine Meinung fteyer saget.
Wir muffen uns so lange/ als wrr Rachs bedürfen/ tvie Kranke betrachten- Wer har wohl keinen nöthig? Ist er gut/ warum oerwirft man ihn deswegen/ weil er nicht mit einer guten Art i|t mitgetheiltt worden? Man sehe zri, ehe man ihn verwirft/ ob man sich ihn nicht einiger maßen zu Nutzen machen könne. Man darf auch nicht einmal allen übelen Rath verwerfen/ damit man nicht die Leute/ welche um? ei- nen guten geben können/ abfchrecke. , •-
Wenn man auch aufs höchste keinen andern Vortheil davon hätte/ als daß man seinen allzu zärtliä-en Geschmack bezwingen lernte/und daß man an sich abschafte/ was uns an andern mlöftlllt/ wäre das nicht genug'/ uns zu bewegen/ daß wir den Rach anhörten und uns davor bedankten?
Em schlimmes Beyspicl kann dazu bienen / daß wir von dem Böftn abstc- hen und unti davon entfernen/ gleichwie das gute Cxempel-die Wirkung haben kann/ uns zum Guten ranzutlelben. Laßt uns alles zu unserm Besten miwcudcn/ es mag kommen/woher es will/und wie es will.
Wir müßen das Gold und das unreine/ welches darin ist-/ von einander- unterscheiden lernen. Man trift es feiten rein an/ aber e§ ist deswegen doch gleich» wohl^old. Die Schuld liegt an dem Künstler und isicht än Vern Metalls .■ ..
Bisweilen findet man überaus vcrsiälrdrge. Leuten jvelcheMGgbe/ ihre Ge« dankcn deutlich vorzutragen / nicht besitzen'. .Man muß dieses MjWels halber Mit« leiden mit ihnen haben/ und sich ihren guten Verstand-zü Nutzen nrerchK' Andere haben eine grosse Fertigkeit zu reden / und halten sich nur an der Schale der Sachen. Laßt uns nachghmcn/ was an ihrer Rede gutes ist/ und die Wahrheit weiter ein» schm- -.
31 " Es giebt noch andere / welche sich in ihrem ga/izen Leben bemühet haben/ Geschicklichkeit zu erlangen / und haben nicht gelernt/jsich beliebt zu machen. "Wir achten ibre Wissenschaft hoch; aber ihr Äeufferkchcs und ihre Lebensart ist uns zu wider. Wir würden gern ihre Erkenntniß zu unferm Nutzen anwendM/ aber wir wollen ihren wunderlichen Ginn nicht erfragen.
-Ein wenig Widerwillen verhmdett uns- auZ ihrem Umgänge alle dft Vor-- theile/ weiche man davon haben kann/ zu erhalten. - Wir ziehen Die Gesellschaft eines unwissenden Schmeichlers/ Dem Umgänge mit einem gelehttm Manne-, wenn er verdrießlich und ernsthaft ist/ vor. Das Ansehen/ welches er sich über Uns heraus nimmt/ ist zwar eine beschwerliche Sache; aber hat er nicht vermöge seines Alters em Recht dazu? Wenner uns das mittheilet/ was er weis; wirb man wohl viel
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