Dienstag den r-tmGepe. 175». $07
wenn sie nicht ausserordentlich auf ihrer Hut sind; so verfallen sie unfehlbar darin. Es ist nicht genug/wenn man sich davor in Acht nehmen will/ daß man überhaupt den Vorsatz dazu habe. Wenn ihr euch damit begnüget; so werdet ibr gewiß darin gcrathen; denn in der Hitze deS Gespräches find die Vorstellungen von unserm Entschlüsse nicht immer gegenwärtig/ und man giebt so wenig darauf Achtung/ daß man sich nicht einmal erinnert/ daß man ihn gefaßt habe. Man muß also seine Zuflucht zu beson- fern und zuverläßigern Hüsssmittcln nehmen/ als zum Exempel/sich eine Regel daraus machen/ wenig zu reden/ und sich so cinzuschränken/ daß man nicht mehr spreche/ als die Noch und der Wohlstand ersordern/ wenige Erzählungen Vorbringen/ und sich festiudaüGemülh eiuprägen/daß man nicht durch seine Worte/ sondern durch seine Werke und sein Wohlverhalten sich hervor zu thun trachten müsse. Laßt euch nicht dur-ken/ daß ihr Witz und Verstand habet/ und ihn zeiget wollet. Besitzet ihr etwas davon; so werdet ihr Gelegenheit genug finden/ ihn sehen zu lassen/ ohne sie allzu eifrig fudxn zu dürfen. Ich habe euch/meine Kinder/noch nichts gesagt/wie ihr euch in euren Ausgaben zu verhalten habt. Dieses ist gleichwohl ein wichtiger Punkt. Darin müsset ihr euch nach eurem Vermögen richten/ einen genauen Ueberschlag machen/ und eine gute Ordnung beobachten, damit es nicht dabin komme/ daß ihr auf Kosten anderer, welche euch zu leihen und zu borgen bereitwillig genug s.yn möchten/ zu leben verbunden scpd. Wendet keine Unkosten auf kostbare Kleinigkeiten. Es wäre besser / so gar an dem Nothwendigen einen Mangel zu haben / als euch in Ge- fahr zu setzen r andern etwas mit List zu entziehen. Ihr müßt auch noch darauf bedacht seyn / daß mit der guten Einrichtung des Innern das Aeusserliche übereinstimme/ unddaßihr durch dieses jene zu erkennet gchet. Wenn man die Ordnung liebet; so liebet man sie in allen Stücken/ und man kann sich gegen sich selbst nicht nachläßig bezeigen/eS mag auch seyn / worin es will/ ohne andern Anlaß zu geben/ daraus schlimme Folgen zu ziehen. Wiewohl die Reinlichkeit und das äussere wohlanständige Wesen nur den Leib betrifft; so beurteilet man doch das Gemüth darnach; und da jenes das ei ste ist/ das In die Augen fallt; so muß man desto mehr Sorge dafür tragen/ weil der eiste Eindruck gemeiniglich verursachet/ daß man Gutes oder Uebels von einem urteilet. Lasset es nicht dabey bewenden/ daß ihr diesen Aufsatz nur ob nhin ansehet. Ueberleset ihn öfters/ und denket/ daß die rechtschaffenen Leute durch Nachdenken sic!) dazu machen/ und daß das größte Glück ist/welches euch begegnen kann, wenn man euch anhält nach zu denken.
Einige Gedanken von dem Studieren und dem Umgänge aus dem Melange curicux übersetzet.
bUM man als ein Mensch leben; so muß man mit den Menschen umgehen. Der Umgang muß daö größte Vergnügen irf dem Leben seyn; aber man muß darin eine vernünftige Wahl zu treffen/ und sich desselben mit Klugheit zu gebrauchen wis-
* sen.


