- et Gresser Wochenblatt/ Num* XXXIX.
will ich euch eine Beschreibung von einem Unbesonnenen und Unverschämten geben/ zum Exempel/ von einen, jungen Menschen/ der von sich selbst ganz eingenommen ist/ hohe Geber den annimmt/ groß einher gehet und sich brüstet; her aus lautem Tone ganz bestimmt und entscheidend redet; der allezeit aufgeweckt und kurzweilia feyn/ und sich immer sehen lassen will; der glaubet/ nichts verberge den Witz und Verstand so sehr/ als das Stillschweigen/ besten Mund allezeit offen stehet, um unzählig viele Fratzen und abgeschmackte Possen vor zu bringen/ welch« er nichts destoweniger mir einem spöttischen Ansehen ausspricht / als wenn ein grosses Geheimniß dahinter stacke; der niemand ein Wort reden läßt/ worauf er nicht eine sinnreiche kurze Antwort gäbe; dem man keine Wahrheit sagen kann / wenn sie auch noch so unstreitig ist/ die er seines Bepfalls würdigte / und der nicht so wohl zu erkennen gedenket/ ob etwas wahr fei)/ als vielmehr darauf siehst/ ob man ihm nicht widersprechen könne; der in Gesellschaften glaubet/ man entwende ihm sein Eigenthum/ wenn man zu reden ansängt/ und dessen Gedächtniß/ wie ein Schwert in den Händen eines Rasenden ist; der gern spielet/ und wenn er verliehret/ sich allemal mit denen zanket/ welche gewinnen. Co siehetder närrische Mensch/ den ich euch/ meine Kinder/ abzuschildern versprochen habe/ von aussen aus. Nun sehet/ wie er von innen beschaffen ist/ wovor man sich noch mehr zu hüten hat. Erstlich fürchtet ein übelgesitttter Mensch GOtt nicht/ und wenn er belhet / so lhut er es nur öffentlich und aus Prahlerev oder sich sehen zu lassen/ und richtet sich darin nach feinen Vorgcfttztm/ wenn sie mehr oder weniger gottesfürchtig sind. Dieser Unverschämte hat feine Freunde; er besitzt einen närrischen Hochmuth/ welcher ihn verhindert/ sich einige zu machen/ und wenn ihm das Glück auch einige bescheret hat; so sucht er sie nicht zu erhalten. Bey der ersten Gelegenheit wird er untreu werden wollen/ wenn er glaubet/ es möchte ihm Nutzen bringen. Er ist ein Lügner/ weil er entweder gern groß spricht/ oder eine Erzählung auszuschmücken denket. Hierbrv will ich euch sagen/ meine Söhn«/ daß ihr nicht Sorgfalt genug anwenden könnet/ den guten Namen zu erhalten/ daß ihr aufrichtig siyd. Erinnert euch / daß wenn man in diesem Stücke andern einmal eine übele Meinung von sich beygebrachk hat / es unmöglich ist/ ihnen die Gedanken wieder zu benehmen. Man kann indessen nicht glauben/ wie viele Sachen diese schlimme Wirkung thun können. Ob man schon den Vorsitz nicht hat/ etwas anders vorzustellen/ als es ist; so macht doch das Vergnügen / das man hat/ ausserordentliche Dinge zu sagen / und die Furcht/ darin man stehet / es möchte eine Erzählung / darin man sich eingelassen hat/ nicht ge- gefallen/ wenn man die Sachen vor trägt/ wie sie beschaffen sind/ daß man hinzuse- tztt und erdichtet/ indem man meinet-/ dissemgen/ mit welchen man redet/ würden eS für richtig arniehmen/ und das Wahre von dem Falschen nicht linterscheiden. Allein man betrüget sich. Die Wahrheit hat eine gewisse Gestalt/ welche man den Lügen nicht mittheilen kann / und man hat noch keinen gesehen/ der eine Geschichte ausgezie- ret oder vergrössrt hätte/ der nicht dafür wäre erkannt worden / was er gewesn. Leute von eurem Alter/ meine Kinder/ sind diesem Fehler gar sehr unterworfen/ und
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