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Dienstag den zStett Jul. 175s, r,?

grosse Kunst / akS grosser Ernst und Zwang. Man muß zuvorderst einen festm Vor­satz fassen/ den ersten Regungen des-Grimmes männlich zu widerstehen/ und densel­ben bey /eder vorkommender Gelegenheit auch ausführen; man muß ferner die vermein­te Beleidigung ju überlegen sich einige Zeit nehmen / und ohne wallendes Geblüth über­legen / ob einem auch wirklich zu viel geschehen/ oder nicht/ und falls das erste feyrt sollte/ ob auch das erlittene Unrecht der Mühe Werth fey / grrächtt zu werden.

«dergestalt / wird man selten und nie ohne Grund zu Extremitäten schreiten.

ES ist genug von diesem der Tapferkeit entgegen gesetzten und in der Über­mässigkeit bestehenden Laster gesprochen. Der Raum erfordert / daß wir uns num- mehro zu dem andern wenden / das durch den Mangel fehlet. ES ist die Furchtsam­keit und begreift ein« so grosse Vorstellung der Gefahr und rin solches Miötrauen ge­gen die Hülfe/ daß inan allen Muth sinken / und alles über sich ergehen lasset / ohne den Pflichten gegen sich selbst zu folge sich zu widersetzen. Wie die Verwegenheit die Gefahr verachtet/ und aus Geringschätzung keiner Achtung würdiget; wie die Tapfer­keit ihre wahre Grösse mißt/ um weder zu viel noch zu wenig daraus zu machrn; fo erschrickt die Furchtsamkeit vor der geri,gsten Drohung einiges Nebels/ und hält sie vor unüberwindlich. Wie die erste ihren Kräften alles zutrauet/ darauf alles waget/ mit dem Kopf überall durch will/ und eben dadurch sich den gröste»» Schaden zusüget/ Oder doch wenigstens demselben sich aussetzet; wie die zweyte ihre Kräfte genau kennet/ nichts ohne Vernunft waget / nichts wider Recht und Billigkeit vorninnnt/ also sich und andern amhut/ was sie sich und andern schuldig ist; so hält die letzte von ihrem Vermögen gar zu wenig/ waget nichts obgleich die Vernunft selbst treibet und Muth zu spricht/ beleidiget sich also selbst/ und andre die daran kheil haben/ weil sie das Herz nicht hat/ dem Uebel einhalt zu thun.

Man mißt also einer Furchtsamkeit mit Unrecht bey/ waS der Klugheit sollte zugefchrieben werden in den Fällen/ da man alle Gelegenheit vermeidet / bey welcher man in Gefahr kommen kann. Denn es ist vernünftiger/ sich zu hüten/ daß man nicht m Gefahr kommt/ als sich erst hinein begeben / und denn erwarten / wie man wieder heraus kommt- Niemand/ als ein Verwegner/ findet an einer solchen Vor­sichtigkeit etwas auszusetzen. Man thut einem ferner zu viel / wenn man ihn deswe­gen vor verzagt ausgiebt / weil er nicht gleich ein jedes unanständiges Wort mit Feuer und Schwerdt rächet- Denn die Natur hat uns in ihrem Gesetze gebothen/ daß wir dem Nächsten Fehler verzeihen / und erlaubet uns erst unsre Ehre mit den Waffen zu vertheidigen / wenn man unS solche mit Gewalt rauben will. Noch weniger zeiget, man dadurch einen Mangel der Tapferkeit/ daß man vorher wohl überlegt / wie man sich aufzuführen habe/ und auf welche Art und Weise man sich helfen wolle. Denn die Unbedachtsame fahren zu/ unD wissen nicht/ wo und wie sie hinaus wollen; der Ver­ständige aber unternimmt nicht die geringste Handlung / ohne daß er entweder gewis oder mit grosser Wahrscheinlichkeit voraus sehe/ was sie vor einen Ausgang gewin­nen werbe. Am allerwenigsten aber verdienet einer feige genennt zu werden / wenn er

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