Z4» Giesser Wochen-Blewt/ Num. XL!IT.
Wie viels Menschen verschlafen nicht die Hclfle ihrer Zeit? Zwölf Stunden im Bette / oder theils im Sorgenstuhle zuzubringrn ist vielen ein geringes. Was Hilst sie aber das Leben zu der Zeit/ da sie tod sind? Die Natur fordert Ruhe/ und es wäre thöricht einem den Schlaf zu untersagen. Aber mehr Zeit darauf verwenden/ alsdeS Leibes Erhaltung brauchet/ das heißt machen/ daß die Stunden/ die einem folglich verdrießlich und zu viel fe»n müssen/ unvermerkt dahin streichen. Wir wollen uns einmal die Mühe nehmen eine kleine Rechnung zu machen um zu sehen/ wieviel dieser Umstand zur Verkürzung des Lebens bevträgt. Die zwey «r|kn Jahre der Kindheit kann man füglich von der Lange deö Lebens abziehen / denn zu der Z.it weis man doch wenig von sich selbst/ kann auch im folgenden sich keines darinnen bemerkten Vorganges erinnern. Wenn also jemand sechzig Jahre in der Welt rsi; so behält er noch acht und fui'fzig übrig nach diesem Abzug. Schlaft er des Tages zwö'f Stunden/ so geben von diesen acht und fünfzig Jahren wieder neun und zwanzig drauf/ und bleiben eben so viel übrig. Folglich hat ein solcher Mensch/ der sechzig Jahre alt worden ist/ nicht mehr als neun und zwanzig Jahre gelebt. Ware er mir einem Schlaf von acht Stunden/ der allerdings lang genug i|t/ zu stiedm lgeweftn/ so hatte er noch neun Jahre und acht Monathe gewonnen / folglich in sechzig Jabren sein Leben gegen neun und dreyßig Jahre gebracht. Das Facit ist vielleicht g öfter/ als man sich anfangs eingebildet. Ein Leben von ohngefahr vierzig Jahren ist sehr kurz; schläft man nun dazu nur vier Stunden über die Gebühr/ so kostet es gleich den vierten Theil dieser Zeit/ nach deren ihrer Länge man sich so sehr sehnet.
Zu diesem bereits sehr beträchtlichen Abgang pfleget sich meistentheils noch ein anderer gleichfalls aus der Trägheit entspringender und nicht viel geringerer zu gesellen. Mit lauter Ergötzungen beständig sich aufzuhalten ist unmöglich / und wenn es möglich wäre/ wäre es endlich auch den grösien Liebhabern verdrießlich. Wenn man nun einen Abscheu vor der Arbeit hat; so müssen viele Stunden im Tage enthalten seyn/ die man mit nichts zu zubringen weis. Bei) solchen Umständen findet sich die lange Weile ein/ ein Zustand/ der da macht/ daß man so lange wünscht aus der Welt zu seyn/ bis wieder etwas vorkommt/ an dem man sein Vergnügen bat. Das Leben ist einem also zu kurz/ und gleichwohl möchte man/ wenn man könnte/ noch Stücken abschneiden / und dieselbige verdirbt man / weil man sie nicht gar wegnehmen kann. Wieviel das beträgt/ wollen wir abermal in einer Rechnung überlegen. Ein Mensch der mittelmasig von der langen Weile geplagt wird / mag doch wohl ungefähr des Tages vier Stunden damit behaftet seyn. Wenn wir by dem vorigen Exempel bleiben/ so verdirbt er also in acht und funzig Jahren wiederum neun und zwey drittel. Da ihm also ohnehin von sechzig Jahren nur neun und zwanzig übrig bleiben; so lebt er nach Abzug der langen Weile m der ansehnlichen Zeit nur noch zwanzig Jahre weniger vier Monath.
Wir haben uns einmal in Rechnungen eingelassen / so wollen wir damit weiter fortfahren. Sie sind vielleicht im Stande/ denen/ die diese Art der Aiithmelick auf


