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Dienstag den zetert Octöbr. x7?o> > 54t

auf sich anwenden wollen / die Augen zu öfnen. Wir wollen noch einige der Sit- tenlehre verwandte Gründe zu Hülfe nehmen/ und denn zeitig beschliessen/ ehe je­mand auf den Verdacht fallt / wir hätten uns vorgenommen zu beweisen / daß man­cher/ der sechzig Jahr Akhrm gehöhlt hat/ keinen Augenblick gelebt habe.

Der Mensch ist ein vernünftiges und zur Glückseligkeit geschaffenes Wesen. Das sind zwey Punkte/ auf deren ,eden wir besonders acht haben wollen. Der Mensch ist ein vernünftiges Wesen; folglich lebet man als ein Mensch / in so fern man Handlungen ausübt / die der Vernunft gemäß sind und von ihr Herkommen / das ist/ so fern man Gutes thut. So weit man aber der Vernunft zuwider handelt/ das ist/ so weit man Böses thut/ lebt man nicht als ein Mensch/ sondern als ein unvernünftiges Vieh/ an dem das erstorben ist, was es zum Menschen macht. Ge­sell nun ein Mensch thut unter zehn Handlungen sieben gute und Drei) böse. Ein solcher ist noch erträglich lasterhaft/ und man braucht des Drogeneo Laterne nicht/ um solche zu finden/ in deren Thaten eine noch schlechtere Proportion herrscht. In diesem Falle gehen von dem Leben des Menschen di ey zehentheil ab / die dem Viel» auf seine Rechnung kommen- Bleiben wir aiso bey unserm Exempel/ so gehen von den zwanzig Jahren und vier Monathen abermal gegen sechs Jahre ab/ und der Mensch von sechzig Jahren lebt nur dreyzehn und etwas über ein halbes.

Der Mensch ist deswegen von G-Ott hervorgebracht/ daß er glückselig sey.' Deroweaen gehöret der Zustand zum Leben des Menschen/ darinnen er die Glückselig­keit geniesset/ und der ihm entgegen gesetzte ist eine fremde und dem Menschen nicht zu? gedachte Art des Seyns/ die folglich auch zu seinem Leben nicht gerechnet werden darf» Wer verstehet was Glückseligkeit heisset/ der wird uns nicht zuwider styn/ wenn wir be­haupten/ derjenige sey unter die Seltenheiten zu zählen/ der derr dritten Theil seiner Zeit in dieser Welt dcrsclbigcn kheilhaftig ist. Die Glückseligkeit ist der Zustand eines dauerhaften Vergnügens / und daö Vergnügen ist denn dauerhaft/ wenn es aus sol­chem Grunde entspringet/ der inskünfrige niemals zu einer Unlust Gelegenheit geben kann; wenn die Lust ganz rein ist; wenn wir uns an dem ergötzen/ über welches wie uns vor den Augen des Allerhöchsten ebne Schaam erfreuen dörfen. Muß man nun bekennen/ daß man mehr Verdruß/ als Freude/ in dieser Welt hat; muß man auch dazu gestehen/daß unsere wenige Freude mit gar mancher eingebildeten ja unreinen Lust/ die viel Kummer nach sich ziehet/ vermischt ist; so ist es in der That viel/ wenn ein Drittel von der nach vorhergehenden Abzügen übrig bleibenden Zeit glückselig hingcbracht wird/ und vor unser LebenauSgeaebenwerden darf. Bleiben wir alsobc»unsermEvem^ pel eines Menschen von sechzig Jahren der nach legitimirten Verminderungen dreyzchen und ungefähr ein halbes übrig behalten; so trägt er endlich nach diesem letzten Slhjug. der bösen Stunden noch vier und ein halbes Jahr vor f ine Lebcnslänge davon/ und also ist auch nach einer andern Auklegung wahr.- Bis pueri lenes.

Öierb.'i) wollen wir es bewenden lassen/ obnerachtet uns nicht schwer fiele noch einige Punkte in Rechnung zu bringen. E 0 viel siehst man hieraus/ daß man sich

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