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auch gesund und vergnügt zu leben/würden sich alle ersinnliche Mühe geben/ um sich vor dem zu hüten/ von dem sie wissen/ daß es dieser ihrer Absicht zuwider iss. Gleich« wohl geschieht nichts weniger / als das. Man will ein gesundes hohes Alter erreichen/ und dem ohngeachlet isset man/ was man will und so viel man will/ und das rhut man nicht etwa aus Unbedachtsamkeit/ sondern man sagt noch dazu gleichsam/ als thate man ganz recht: ich esse was mir schmückt/ und leide was ich kann. Man schüttet das Getränk in den Magen/ wie in ein Faß; man fragt nicht darnach/was Leib und Seele vor Wirkungen davon empfinden werden: es iss den Meissen gleich viel / ob es zu Mittag oder zu Mitternacht geschieht; ja unter denen / die ihrer Herkunft und Umstünden halber meinen ein Recht zu haben/ weniger gesittet zu seyn al- andre/ giebts solche/ die mit mehr und weniger natürlichen Feuchtigkeiten sich dermaßen anfüHen/ daß ihre unglückselige Seele ihre feuchte Herberge auf eine viehische Art verlassen muß. Wie reimt sich das zu der Begierde nach einem langen Leben? Wie schickt sich zu derHlbigcu/ wenn man um seinen eingebildeten Vergnügen nach zu lausten keine Heftigkeit der Bewegung/ keine Hitze/ keinen Frost/ keinen Wind und Wetter icheuet; wenn man seinen Leidenschaften dermassen den Zügel schiessen lasset/ baß sie Leib und Seele in Unordnung zu bringen Macht haben? Gewis / wer lange leben will / muß sich gefallen lassen / auf seine Handlungen sorgfältig acht zu haben / und sich nicht durch diejenige irre machen lassen/ die bei) vieler Unordnung gleichwohl Greise worden sind. Denn wer weis/ wie weit solche Leute die heutzurag gewöhnliche Lebenslange noch weiter würden überstiegen haben/ wenn sie auf ihre Natur weniger loögcstürmet Hütten.
Wer ein Liebhaber von langem Leben ist/ handelt wider sich selbst/ wenn er sich muthwillig in Gefahr dasselbe zu verliehren begiebt- Denn/ was man hoch hält/ das wahret man sorgfältig/ und man pfleget sonsten dadurch/ daß man eine Sache ohne Noth in Umstünde setzt/ worin sie zu Grunde gehen kann/ anzuzeigen/ daß man sich wenig um sie bekümmere. Man kann hieran/ wie sonst an vielen andern Proben/ deutlich sehen/ wie wenig das System der menschlichen Begierden aneinander hängt/ oder genauer zu reden / wie eine jede derselben gleichsam eine von allen andern abgesonderte Insel ist. Man will lang leben/ und lebt doch nicht nur so/ daß man bald sterben muß/ sondern setzt sich auch noch täglich der Gefahr aus/ augenblicklich zu sterben. Di« Rede ,st von mmhwiliiger Gefahr. Denn derjenigen/ der man sich nicht entziehen kann/ ohne ferne Pflichten auf die Seite zu setzen / unterwirft sichauch «in solcher/ der tausend Jahre zu leben wünschet / ohne daß er in seinen Handlungen etwas Widersprechendes! aussert. Denn daö Gesetz geht ihm vor allem; dem zu folg« will er leben/ und dem zu liebe wagt er auch jn sterben.
Wer nicht alle seine Zeit mit nützlichen Verrichtungen zubringt/ dem verbie- thet die Vernunft den Wunsch eines langen Lebens. Es füllt zwar nicht gleich in die Augen/ mit was für Grunde man diese Meinung zu behaupten sich unterstehe; allein ein geringes Nachdenken zeiget doch/ daß die Wahrheit auf unserer Seiten iss.
U u - Wie


