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Giesserwochen^Blettt/k^um. Xl.Hl.

So sehr wir aber das Verlangen nach einem langen Leben gerechtfertigt / so wenig können wir doch dasselbe loben/ oder auch nur entschuldigen/ wenn es von der völligen Überlassung seiner selbst in den göttlichen Willen getrennet wird. Der Mensch ist verbunden den Millen GOttes dem seinigon vorzuj'ehcn oser / eigmtlicher zu reden/ nichts zu wollen / als was GOtt will; er muß bev seinem Gebett nur an­hängen: HErr nicht mein Wille geschehe / sondern dein Wille- Wenn also der HErr über Himmel und Erde beschlossen hat/ daß ich in der Helft« meiner Tagen von dem Schauplatz dieser Welt ablretten soll-, so muß ich mich seiner Ordnung/ ich sage nicht geduldig/ sondern willig / ja mit Freuden unterwerfen. Ist das viel und schwer; so ists doch nicht mehr als billig / und das Gegenchei! ist eine allezeit strafbare Wider» fetzung wider die Einrichtung seines Obern/ seines Herrn/ seines EigenthümerS; tvictrobl dieselbige nach Maasaabe der verschiedenen Graden mit Mikleiden angese­hen werden muß/ weil es die gröste Ueberwindung erfordert / freudig zuzusehen / daß rinem sein Hauptwunsch z« Nichte wird. Nur ein Mensch/ den seine aufgeklärte Vernunft mic der höchsten Wahrscheinlichkeit überführet/ daß er mit dem Tode nicht aufhöret zu seyn/ sondern daß seine Seele nach demselben fortfährek zu leben und zu erndren/ was ste hier gesaet hat; noch mehr aber ein Christ / der aus ü>em Wort« GOttes mit völliger Gewisheit überführet ist / daß er/ weil er in der Welt seinem Erlöser angehangen hat/ auch nach seinem Tode mit diesen seinen Äugen wird ^Ott sehen/ ist fähig' zufrieden zu seyn / wenn er lang leben soll/ und wieder zufrieden zu seyn/ wenn er bald auö diesem / wenn es hoch kommt/ balbvergnügken Leben in ein anders übergehen soll / wo ihin bereitet ist/ was nie kein Auge geschen und kein Ohr gehöret.

Be» dem gemeinen und billigen Verlangen nach einem langen Leben zeigen sich doch manche Fchler/ die einem aufmerksamen Beobachter leicht in die Augen fal­len/ und di« um desto mehr verdienen betrachtet zu werden/ je schädlicher sie sind und je weniger sie sich zu diesem Verlangen reimen- Wir werden also nicht übet thun/ wenn wir uns vor diesesmal mit der Ueberlegung derselbigen beschäftigen.

Die Welk ist voller Dingen/ deren Genuß die Zahl unsrer Jahren verkürzen muß. Es giebt Speisen und Getränke/ di« der Gesundheit nachtheilig sind und die die Kraft unsers LeibeS nach und nach verzehren / und überhaupt alles/ was wir zu uns nehmen/ auch das gesundeste/ beschleuniget unsers Lebens Ende/ wenn «S nicht mäsig und zu rechter Zeit genossen wird. Viele Witterungen und die meiste ih­rer Abwechselungen haben einen gefährlichen Einfluß in unfern Cörper. Zu viel und zu wenig Bewegung / zu viel und zu wenig Ruhe/ heftige Gemüthsbewegun- gen und taufend andre Dinge/ welche zu erzählen zu weitläuftig fallen würde/ tragen ein grosses zu einem frühzeitigen Tode bev. Das wissen alle Menschen / nur einige wenige / die vor andern hart sind und folglich auch mehr vertragen können / sind in der Kcnntniß de- Vorträgllchen und Schädlichen etwas weniger unterrichtet. Sollte man also nicht denken/ die teilte/ die da wünschen lange und/ was noch mehr ist/ auch