Ausgabe 
26.5.1750
 
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i<4 Giesser Wochen-Blatk/ Num, XXL

Daß Giessen alle diese Wohlthaten an den Gnadenbezeugungen der Durchlauch- tigsten Fürsten von Hessen und an dein Veystande des ganzen Vaterlands dankbare lich zu verehren habe/ lehret uns die augenscheinliche Erfahrung. Philippus der «rossmüehige/ ein gesegneter Beherrscher von ganz Hessen und Stammvater aller nach ihn» gekommenen Heßischen Fürsten gründete schon 1517. die Universität zu Marburg. Alle evangelische Stände fasteten auf einer Versammlung zu Schmalkal­den iH7. den löblichen Schluß von den Kloster- Stifts-und Kirchen-Gütern/ Pfarreyen/ Superintenduren niedrigen und hohen Schulen anzulegen und mit zu­länglichen Einkünften zu versehen. Philippus der fünfte der GOtt unb dem Kayser getreue Fürst / erfüllet«/ nachdem ihm das Darmstädtische Antheil und die Helft« des Oberfürftenthums Marburg zugefallen/ 1607. diesen Entschluß und er- hub nach eingeengten Kayserlichen Privilegien sein in Giessen etliche Jahre vorher an- selegtes Gymnasium illustre zur Würde einer Universität. DaS im siebenden Jahr des gegenwärtigen Scruli feyerlich begangene Gedächtnißfest dieser Stiftung ist rod) bei) vielen im frischen Andenken. Wie der Anfang / so der Fortgang. Durch GOttes Vorsehung wurden die gelehrtesten Männer/ welche theils schon im Va­terlande waren/ theils ausserhalb in grossem Ruhme stunden/ berufen und zu Lehrern verordnet. Diese zogen andre an / mit welchen wie aud) andern von fremden -Orten rrhaltenen Männern alle Stellen in den folgenden Zeiten also besetzt worden / daß Giessen seinen Ruhm noch immer behauptet und an geschickten Lehrern mit andern Akademien um den Vorzug streiten können. Hat es nicht manchmalen die vortref- lichsten Gelehrten anderswoher bekommen? Haben aber nicht auch Ausländer der- Sleichen von hier gesucht und mit ihrem grösten Vortheile zuweilen erhalten? DaS war der Grund seines blühenden Zustandes/ das kann er auch noch seyn/ wenn er nur recht betrachtet und gehörig angewendet wird. Die Freygebrgkeit und gewiß fürstliche Fürsorge der Durchlauchtigsten Herrn Landgrafen um einen beständigen Zufluß an Erhaltungsmitteln zu haben / ivar nicht geringer. Philippus der grosse müvhige stiftele schon so viel/ daß bey der gleiche» Theilung zwischen Marburg und Giessen der letzteren Academie eine beträchtliche Summe zu fiel/ welche aber nachge- jhends durch die Gnade Ludwigs des fünften/ Gcsrgens des andern undDe- »0 grossen Nachfolger / wie auch durch die Gulthäligkeit der Landesständen und bis­cherige gute Verwaltung also vermehret worden/ daß/ wo nicht die Ungerechtig­keit einen Eingriff gethan hätte/ alles ordentlich und hinreichend bestritten werden konnte. Was sollen wir ferner von unfern Gesetzen und Verordnungen sagen? Die sind/ ja eine jede Seite des Gesetzbuchs ist ein rechter Schatz der Wersheit/ Ge­rechtigkeit und Schalfsinnigftit. So wenig jemand im Stande ist/ denselben mit Der bündigsten Rede zu erschöpft»; so ungezweiftlt haben wir es ihm zu danken/ wenn in Verwaltung der Pflichten und Gerechtigkeit/ in Beobachtung guter Ordnung/ im Gebrauch der erteilten Freyheiten kem Abgang erscheinet. Die Freyheiten fei» der schliessen sich an die Gesetze und sind eben so vernünftig/ als anZenehm. Sollte