Ausgabe 
26.5.1750
 
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t6x, Giesser wdchen--Blatt/ Num. XXL

mancherlei) Zufällen gebracht hat. Sie stehet noch auf ihrem festen Grunde/ und solches wird billig der Weisheit GOltes, der Gnade des Fürsten und der Redlich- lichkeit ihrer" Lehrer zugeschrisben. Welches ein jeder leicht zu geben wird / wenn er nur an ihre Stiftung / an ihre Verlegung nach Marburg / an ihre Gesetze und Frei-Heiten/ an ihre Güter/ an ihre dem ganzen Lande und so vielen Provinzen in Deutschland und ganz Europa/ wie auch an ihre vor hundert Jahren auf diesen Tag allhier geschehene Erneuerung gedenken will. Dieser Tag erinnert uns eben/ solche grosse Wohlthaten mit Freuden / aber auch mit Dankbarkeit zu betrachten. Wobey wir auö der Geschichte dieser Academie zu merken haben / daß gleich beym Anfänge der Reformation/ nemlich »P7. Landgraf Philippus der Großmüthigs eine Universität zu Marburg angeleget/ und da seine Länder unter seine Nachfolger ver- theilet worden/ das Hochfürstliche Hauß Hessen-Cassel.diese Universität an sich ge­zogen/destelben Enkel Landgraf Philippus der treue zu Hessen - Darmstadt gleich­falls eine im Jahr 1607. zu Giessen gestiftet habe/ iiachdem schon vorher die berühm­testen Professores von Marburg hieher gezogen waren. Die Giessische Universität kam gar bald in eine grosse Aufnahme / bis sie im Jahr 161.$ / da das ganze -Ober» fürstemhum Hessen dem Hochfürstlichen Hause Hessen - Darmstadt zu erkannt wurde/ nach Marburg verleget und mit der dasigen vereiniget worden. Im Jahr 1648. ge- rieth Marburg wieder unter Casselische BottMäsigkeit und die beyden Häuser vergli­chen sich wegen der Universität / daß sie gemeinschaftlich seyn sollte. Solches wah­rere aber nicht lange. Denn der Durchlauchtigste Fürst / Landgraf Georg der zweite/ sähe sich genörhiget zu Erhaltung der reinen Glaubenslehre eine Theilung vorzunehmen/ und seine Universität in Giessen wieder herzustrllen. Welches 1650. den-f. Ma» mir eben solchem Pracht geschähe/ als wenn sie neu angeleget würde. Von üfr Zeit an ist sie unter dem Seegen GQttes und dem Schutze ihrer gnädigsten Erhalter bis hieher in beständigem Flor geblieben. Und wir erkennen uns verpflichtet das Andenken dieser wichtigen Veränderung wenigstens durch eine Lob- und Dank^ rede zu erneuern. Erwegen wir dabey/ was GOtt derselben für Wohlthaten zu- sliessen lassen/ was der Durchlauchtigste Landesherr jederzeit für Sorge um ihre Er­haltung getragen/ und bedenken zugleich/ was sie hinwiederum zur Verherrlichung des Namens GQtteö und zur Beförderung de?allgemeinen Wohlfarth geleistet ha­be; so werden

. die gemeinschaftlichen vorcheile einer Academie von dem Staate/ ttnd des Staats von einer Academie

der würdigste Gegenstand unsrer Rede seyn. Sie sind sehr genau mit ein- arMr verbunden/ wovon uns das Beyspiel unsrer Ludwigs-Universität überzen- , gen soll.

Unter dem Staat verstehen wir nicht so wohl in einer bürgerlichen Gesell- fchafft stehende Einwohner eines Landes/ als vielmehr die öbersten Regenten/ wel­chen die Sorge für die Glückseligkeit deö ganzen Landes zukonm. Was dieser in Anse,