Dienstag den r^m Aug. r7f«.
und verbannet zugleich den nothwendigm Gebrauch / der das Hauptstück btt natürlichen 'Annehmlichkeit ist. WaS hier der Weise überhaupt vom Vergnügen spricht/ das lasset uns ohngeschcut von den gemäßigten Ergötzungen sagen/ welche uns die Natur darbiethet/ oder welche man sich selbst macht / nachdem man soviel gearbeitet/ als man kann oder soll. Man darf sich denselben gewisser Maasen darstellen/ und sie bis auf einen gewissen Grad kosten./ als Dinge/ welche vor sich selbst die Kraft habe» angenehme Eindrücke in uns zu verursachen/ wiewohl der Gebrauch derselben zu einem viel edlern Endzweck eingerichtet werden muß. DaS sind keine Arzneymittel von dec Art / die man lächerlicher Weise vor schmackhaft hält / wie ein gewisser Sittenleh. rer behauptet/ a) der sie mit Rbabarbara und Senenblättem vergleicht und welcher daher alle/ die de« geringsten Gefallen daran haben/ vor Kranke hält/ deren Geschmack verdorben ist. Aber was ist man nicht im Stande zu verdauen und herauSzusagen / wenn man glaubt die Menschen überreden zu können/ daß man sich ergötzen muß durch einen Geist der Reue und Buße und die Verändrungen geniessen muß / wie man ehedem den Verurtheilten Wein gab/ damit sie mehr Kraft hätten ihre Marter auszuste, hen/ und um ihnen also ihre Quaal empfindlicher zu machen. Dieses sind des Verfassers eigene Worte.
Diejenigen/ welche scheinen zu glauben/ es sey unmöglich sich hier in den gebührenden Grenzen zu halten/ und welche deswegen wünsclM/daß man auch dem ehrbarsten Vergnügen gänzlich aufsaae / behaupten eine Sache / von welcher man siehet/ daß sie der Erfahrung widerspricht / so bald man seine Aufmerksamkeit darauf wendet. So verdorben die Welt überhaupt seyn mag / so giebt es doch allezeit hier ober da mehr oder weniger Leute / die sich der Gescheuten der Natur oder vielmehr der göttlichen Ireygebigkeit mit Maaß und Ziel bedienen. Ich bins zufrieden / daß der meiste Thcil sie gemeiniglich misbraucht; aber das ist ein Unglück vor alle Sachen/ deren Gebrauch ein wenig gemein ist b); und gäbe cs nur zwey oder drey Personen in jedem Lande/ oder in jedem Jahrhundert / die sie brauchten/ wie sie sollen/ so sind sie mir genug; bmauS schliesse ich / daß die Sache möglich ist ; und sie ist nicht die einzige / deren Möglichkeit eben so gewis/ als ihre Exempel selten und ungemein sind. Umsonst würbe man antworten / die Schwierigkeit sey wenigstens so groß/ daß sie der Unmög- lichkeit sehr nahe komnie. Damit man diesen Schluß mit einigem Grunde machen möchte/ so wäre nölhig/ daß diejenigen / welche das Maaß des Vergnügens überschreiten/ unsch gutem Ernst sageii könnten/sie hätten einige Behutsamkeit gebraucht/ oder sich einige Mühe gegeben um sich zurück zu halten. Allein ich berufe mich auf ihr Gewissen/ und bin versichert/ wenn sie offenherzig antworten wollen / so werden sie erkennen/ daß sie sich selbst blindlings dem Eindruck der Dingen in ihre Sinnen überlassen/ und daß sie bloS allein dadurch / well sie sich ohne den geringsten Widerstand haben hinreissen lassen, sich in den Stand gesetzt haben/ daß sie nicht ohne gros-
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*) Dh Trtmblajt b) Gat aber L, 1. CJ, § /,


