Einzelbild herunterladen

r68 Gresier Wochen- Blatt/ Num. XXXIV.

allen Vkenschen anbiethet/ trotzig zu verwerfen/ wäre wenigstens eine Undankbarkeit; und es wäre ungerecht/ aus Eigensinn diejenige zu verdammen/ welche sich derselben mäßig bedienen. Niemand kann gewisser Ruhestunden entbehren / und eS giebt weni­ge Leute/ die nicht einer oder der andern Art der Veränderungen bedürften. Die Güte deS Schöpfers bezeiget sich hier/ so zusagen / verschwenderisch gegen die schwache Sterbliche. Wie sie unser Leib und Seele einer unendlichen Verändrung von Neigun­gen fähig gemacht/ so gewähret sie uns auch eine unendliche Menge von Vorwürfesi/ womit wir jenen ein Genüge thun können *). Es ist wahr/ man kann diese Dinge mißbrauchen; allein man kann sich ihrer auch auf eine sehr unschuldige Weise bedienen.

Nichts desto weniger sehe ich Leute/ welche ohne Grund behaupten/ daß man den Misbrauch vom Gebrauche nicht trennen könne/oder sich/ weis nicht/ was für mv- siische Vorstellung von der Tugend und Frömmigkeit machen und deswegen uns über­reden wollen b} i alle Ergötzungen seyn etwas einem vernünftigen Geschöpfe unanstän­diges/ rin niederträchtiger Zeitvertreib/ eine falsche rmd betrügerische Lust/ eineWür- kung von der verdorbenen Natur des Menschen. Wir wollen ihnen vergönnen/ nach einem Stande der Vollkommenheit zu ringen / dessen vielleicht die menschliche Natur nicht fähig/ der wenigstens die gewöhnliche Kräfte der Einwohner des Erdbodens über­steiget ; aber sie werden es wenigstens nicht übel nehmen / daß diejenige/ welche sich nicht zutrauen eine solche Höhe erreichen zu können/ demüthig der Ordnung der Na­tur oder vielmehr der Vorsicht folgen / und daß sie deswegen ruhigen Gemüthts und ohne Sorgen sind aus einem Grunde/ der mit folgenden Gedanken eines weisen Hei­den viele Ähnlichkeit hat. Wenn daö Vergnügen vor sich selbst böse wär / sagt er/ so würde es nicht mit uns auf die Welt kommen/ und wäre nicht das älteste unter al­len den Dmgen / denen wir unsre Erhaltung zu danken haben. Was die oft wieder- hohlte Einwürfe überlistiger Widersacher betrift / die Schwelgerei) des Sardaria- perls/ dieUebermuth der Meder/ die Weichlichkeit derIsmer/ die Festender Sicillaner / die Tantze der Sybarr'tcn / dis Unzucht der Corrnthier; alle diese und tausend andre dergleichen Dinge / die man anführen könnte sage ich/ sind keine Würkungen deS Vergnügens/ sondern der Kiinst und des Verstands; denn mit der Zeit haben die Menschen das Vergnügen mit unzähligen Erfindungen der Lust verdor­ben. Wie also Niemand unter dem Vorwandt / daß es Leute giebt / welche ihren Verstand zu Ausführung vor sich selbst schändlicher Thaten anwenden/ deswegen den Verstand beschiildiget/ er sei) an sieh selbst bös; eben so muß man sich nicht über die Vergnügen selbst ereiffern / sondern über die/ die sie miöbrauchen. In der Seele des Menschen giebt es zwey Dinge / Verstand und Luft. Die mit dem Verstände ver­mischte Lust vermindert jenes nöthigen Gebrauch nicht / sondern macht ihn nur ange­nehm. Gesillet sich aber der Verstand zur Lull/ so treibet er diese über die Gränzen der Mäßigkeit / weil er macht daß man sich ihrer in allzugrossem Ueberflusse bedienet/ und

I.TtMdkh. VI, 17. /') Pcnjccs dt Pafcul Art.XXPl, §. z.u. f.