Ausgabe 
24.3.1750
 
Einzelbild herunterladen

Dr'eNstaF den r4ttN I7fo. >

Hier- war das Ende unserer Betrachtung / als uns einfiele noch eine kurze Erinnerung anzuhangen. S« bestehet darin. Viele Leser werden an diesem ernsthaf­ten/ /a dem Scheine nach betrübten Blatte schlechten Gefallen haben. Diese lieber» legung aber war nicht vermögend uns abzuhalten^ daß wir den Aussatz besonders zur Menwarngen Zeit mittheileten. Denn die vor dieser Abhandlung einen Eckel haben/ sind gerade diejenige/ welche durch dieselbe unterrichtet zu werden nöthig haben. Sie sollen also wissen/ daß diese unangenehme Zeilen ihnen zu Liebe geschrieben sind. O be­dachte man doch/ wie Nutzensvoll der Gedanke deö Todes ist/ und sagte die gemeine Worte: memento mori, mit mehrerem Ernst und vollkommener Aufmercksamkeit! Wir wollen uns nicht länger darüber aushalten/ allein folgendes können wir doch nicht umhin mit wenigemanzumerken. Wann man fleißig mit dem Tode umgehet/ so wird man seiner endlich gewohnt- Wie aber alles/ das uns fremd ist/ unfern Geist in hef­tigere Bewegung bringet und der Einbildungskraft sich mehr bemächtiget; so würket dagegen die Vorstellung gemeiner und mit uns bekannt gewordener Dingen viel gelin­der und mit wenigerem Nachdruck in unsere Seele. Den Tod selbst lernen wir end­lich von Tag zu Tag mehr vor etwas gleichgültiges ansehen / und wann endlich der Kaden des Lebens zu Ende gehet / so leiden wir diejenige Veränderung/ die wir in un­fern Gedanken alle Tage erlitten und auf die wir uns in unserm ganzen Leben bereit gemacht haben. Diese lezte Worte wollen etwas mehr sagen/ denn sie enthalten ei­nen neuen Vortheil von der fleißigen Betrachtung des Todes in sich. Sie sagen uns/ was sonst also ausgedruckt wird: Mensch/bedenke / daß du sterben must / so wirst du nimmermehr böses thun! Gewiß darin steckt eine Kraft / die die Gewalt der sundlichen Begierden mächtig unterdrücken kann. Wollte sich ein Geitziger/ ein Hochmüthiger / ein Wollüstiger sein Tod - Bett / und seinen darauf liegenden zagenden Leib/seinen lezten bittern Kampf/ seinen Leichnam in der Bahre/ und seine Seele vor dem Stuhle der strengsten Gerechtigkeit/ lebhaftig vorstellen; so würde die verbottene Lust nach fremdem Eigenthum/ nach eitekr und durch Boßheit erworbener Ehre und allem andern in einem Augenblick erstickt werden. Er würde also fein Gewissen nicht beschweren und folglich an Die abzulegende Rechnung mit mehrerer Gelassenheit denken können. Zugleich aber würde er alles in der Welt/ das Da vergehet und nicht allein in der Stunde des Todes nicht hilft / sondern vielmehr hindert und quälet/mit einer «roßmüthigen Verachtung ansehen. Ist je Die Natur im StanDe ein tüchtiges Mittel ru der ZufrieDenheit / wovon in Dem vorigen Blatte geredet worden/ vorzuschlagen; so ist es in der That dieses. Dann verzehrt mir das Feuer Haus und Hof; wird mir das übrige gestohlen; wie Noth Darum. Wer weis / ob ich nicht morgen sterbe und doch alles verlassen muß. Fordert GOtt meine Kinder und andre Freunde von der Welt ab / so werde ich auch nicht mehr lange darin bleiben/ und kann ja Die etliche Tage ohne sie ^bringen / bis ich auch |u ihnen hingerücket werde.

Stncc»