54 Giesser Wochen-Blatt / Num. XII.
chen und wir werden alsbald an den Ort/ wo die Strafe an uns soll vollzogen werd« ' gebracht. O ! ihr Berge fallet über uns/ ihr Hügel bedecket uns! Wer hat so ei> gutes Gewissen/ daß er sich dem heiligen Throne des Allerhöchsten ohne Furcht um Zittern nähern könnte ? Dieser Grund ist billig/ und wer weite den / der mit vielen Verbrechen beladen ist / verwegen und trotzig vor dem Angesichte desHErrn überHim« mcl und Erde erscheinen heissen. Eine Raserey wäre es/ wenn man sein Gewissen einschläfern oder vielmehr tödten wollte um diese schreckhafte Betrachtung aus seinen Gedanken zu verbannen. Hier ist kein andrer Vorschlag/ als: thue das und lasse das im Leben / was du im Tode gethan und gelassen zu haben wünschen wirst. Lebe unsträflich ; ehre ©Ott / belevdige deinen Nächsten nicht/ und leiste dir selbst die gebührende Pflichten; mit einem Worte; fürchte ©Ott/ so hast du nicht «iöthig den Tod zu fürchten. Verlassen dich hier die Kräfte der Natur / ängstiget dich der Ausdruck: verflucht ist/ wer nicht hält alle Worte/ die in dieser angeführten Summa aller Gesetzen enthalten sind; so nimm deine Zuflucht zu dem Blute des Heilands/ darin wirst du den Balsam finden/ der allein im Stande ist deine Schmerzen zu lindern. Wohlutis/ daß Christus unser mächtiger Bürge worden ist! Wohl uns/ baß wir durch ihn auö- rufen können: Tod / wo ist dein Stachel; Hölle/wo ist dein Sieg!
So reichet denn die Natur bis an den Ort / wo die grösie Schwierigkeit stecket/ und wo sie die kräftigsten Mittel darbiethcn sollte/ da lasset sie uns ohne Hülfe. Sie ftgt »war: sündige nicht; allein sie giebt nicht diejenige Stärke / die erforderlich ist / um ihren Befehl zu erfüllen. Habe ich gefehlet/ so spricht sie: Lasse dirö lepd seyn/ und sündige hinfort nicht mehr; allein sie nimmt doch die Schuld nicht von uns. ©Ottes Barmherzigkeit aber hat einen Rath erfunden / daß uns hier und dort geholffeu wird. ©Ottes Sohn ist von dem Throne seiner Herrlichkeit herabgcstiegcn und hat vor uns dem Gesetze einen vollkommenen Gehorsam geleistet/ er giebt uns seinen Geist/ und macht Leute auö uns/ die in seinen Gebotten wandeln/ feine Rechte halten / und darnach thun; er hat alle Schuld und Strafe auf sich genommen ; unsre Sünde bat er geopfert an seinem Leibe auf dem Holz; wer an ihn glaubet/ der wird nicht gerichtet. Er sprach : Ich will sie aus der Hölle erlösen/ und vom Tode erretten. Tod! ich will dir ein Gift/ Hölle/ ich will dir eine Pestilenz seyn. Wohl allen / die aus ihn trauen ! Wer au ihn glaubet/ der kann nicht allein ohne Furcht Dm Tod sich nähern sehen; sondern der lezte Augenblick seines Lebens muß ihm allerdings der angenehmste und freudigste fev». Lasset uns also diesen Erretter beständig im Sinne haben / damit der Gedanke nnseres Abschiedes uns jederzeit bereit antreffe und keine Unruhe in unsrer Seele erwecke: allein danksaget auch den; Vater / der uns tüchtig gemacht hat zum Erbtheil der Heiligen im Licht/ welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der Finsterniß/ und hat uns ve-setzt in das Reich seines lidwn Sohnes/ an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut/ nämlich die Vergebung der Sünden.
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