jo Gresser Wochenblatt / Nurn. X1L
wer jeden Tag der Woche seine Zinsen zu bezahlen habe. Andre lieben titele Ehre ü- der alleS; ein hoher Titel / ein grosser Rang / der Umgang mit Mächtigen / das Recht Geringeren zu befehlen / und die Schuldigkeit diese?/ sich vor ihnen zu demüthigen und zu ihren Füssen zu legen / sind die Glückseligkeit / welche sie zu erreichen und ewig zu besitzen trachten. Noch andre sind Freunde von Lustbarkeiten rGastereyen/ Tänze/Spa- tzierfarthen und andre Dinge / die man nicht gerne nennet / sind der Zeitvertreib / den sie ohne Ende zu geniessen wünschen. Bey den Aeunden/ Aeltern/ Ehegatten/ Kindern ist man gerne/man sorget vor sie/ und meinet/ wenn man nicht mehr bey ihnen sey/ so giengcn sie zu Grunde/ und sey niemand vorhanden/ der sich ihrer annehme. Der Tod aber zwinget uns alles dieses zu ve. lassen; er entziehet demGeitzigen seine Thaler und Wechselbriefe; er wirft den Hochmüthigen in den S.taub unb macht ihn dem geringsten Bauren gleich; er stößt den Wollüstigen in ein sinstreö Loch und beraubet ihn aller seiner Ergötzungen; er reisset uns aus den Armen unsrer Aeltern / Gemahlen / Kinder und treibet die Freunde vor ewig von unfern Augen hinweg. Wie solte uns der Gedanke einer so widrigen Veränderung m'cht gräßlich und entsetzlich feyn?
Alleine in der That würde uns der Abschied von allem nicht so sauer ankommen/ wenn wir uns nicht so sehr darein verlieb.ten. Wenn ich etwas nicht übermäßig hochachte; so mag es verlohren gehen / und ich gräme mich deswegen nicht sonderlich. Wollen wir also / was den gegenwärtigen Punkt bctrift/ den Tod nicht selbst schwerer machen / so müssen wir von Tag zu Tag mchr lernen / vergängliche Sachen mit einer billigen Geringschätzung anzusehen/ und dazu gelangen wir / wenn wir uns so wohl vorstellen/ daß wir sie nicht ewig behalten können/ als auch ihre Beschaffenheit und Natur recht erkennen. Denn so bald man sie recht erkennet/ so begreift man / daß sie nichts sind und keines weges verdienen/ daß man sich über ihren Besitz freue/ oder ü- ber ihren Verlust gräme. Wir erinnern uns manchmal einer gcwisten Einbildung/ die uns in unser Kindheit die gesetzte Jahre sehr traurig abgemalet. Wenn wir unser Wägelgen ansahen/das wir in dem Zimmer herumzogen; so dachten nur: was ist es doch ein betrübtes Ding um einen erwachsenen Menschen ? denn diese Leute haben keine Wägelgen/ darin sie Puppen setzen / und haben lauter traurige Vergnügen an einem ernsthaften Gespräche von Dingen / die nicht lustig sind / an einem Glas Wein/ das sie nicht erst selbst aus den Beeren spielend in ein klein Schüsselgen drucken/ u.s.w. Nachdem wir in diese eckelhaft eingebildete Jahre gekommen sind/denken wir dagegen: Was war doch das vor ein elendes Vergnügen/ das wir ehedem an nichtswürdigen Dingen hatten; ists möglich daß eine vernünftige Seele von Anfang so niederträchtig seyn kann / daß sie mit solchen schlechten und verächtlichen Possen sich aufhalten und Freude daran habe. So oft wir uns dieser Veränderung unsrer Neigung erinnern/ machen wir uns die Rechnung ; so wirdö einmal im Tode gehen/ was wir jetzo mit dem grösten Widerwillen verlassen/ das werden wir hernach vor so gering und klein erkennen / daß wir uns schämen werden/ ehedem etwas daraus gemacht zu haben. Ja tw Tod jst ein Ende alles Übels. Krankheit/ Mangel nnt> alles/ was einen jeden drucket/


